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Die Reise zum sichersten Ort der Erde
Die Reise zum sichersten Ort der Erde
© Lighthouse Home Entertainment

Kritik: Die Reise zum sichersten Ort der Erde (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nicht nur der Filmtitel "Die Reise zum sichersten Ort der Erde" weckt Assoziationen an einen Abenteuerfilm, auch die animierte Eröffnungssequenz zu Edgar Hagens Dokumentarfilm scheint auf spannende Unterhaltung einzustimmen. Doch schnell wird klar, dass dem Schweizer Regisseur nichts ferner liegt als naiver Eskapismus oder schneller Nervenkitzel à la Hollywood, widmet sich Hagen hier doch auf entschieden unaufgeregte Art einem Thema, das auch auch ohne künstliche Aufregung bereits hochbrisant ist. Die sichere Entsorgung des Atommülls treibt den Filmemacher und seine Crew um den gesamten Globus, angeführt von einem auf den ersten Blick nur bedingt geeigneten Reiseleiter: Der Nuklearphysiker und Experte für die Endlagerung radioaktiver Abfälle Charles McCombie begleitet Hagen auf seiner Reise und macht bereits in der ersten Szene des Films deutlich, dass er vom Nutzen der Kernkraft überzeugt ist sowie deren "Aussterben" in Teilen der Welt fürchtet.

Doch wer nun mit einer ideologischen Konfrontation zwischen McCombie und den Filmemachern rechnet, liegt falsch. Denn "Die Reise zum sichersten Ort der Erde" porträtiert seinen Protagonisten in erster Linie als einen Mann, der keine Lobbyarbeit für die Atomindustrie macht, sondern versucht, das reale sowie unbestreitbare Problem der Endlagerung nach bestem Gewissen zu lösen. McCombie ist nämlich niemand, der weitere Tonnen von radioaktivem Müll einfach im Ozean versenken oder in stillgelegten Bergwerken verschütten will. Stattdessen ist er weltweit stets auf der Suche nach Orten, die vergleichsweise stabil und geschützt vor Umwelteinflüssen sind und damit eine Lagerung des Atommülls über Jahrtausende ermöglichen sollen.

Dass das Finden eines solch nach geologischen Maßstäben optimalen Standorts nicht bloß äußerst schwierig ist, sondern die Suche auch immer wieder mit den Interessen von Atomindustrie, Politik und Umweltschützern kollidiert, macht McCombies Job zu einer wahren Sisyphusarbeit. Als ein wenig langatmig und auf der Stelle tretend erweist sich dann auch der Dokumentarfilm selber, wenn er gemeinsam mit dem unerwünschten Abfall über den Planeten irrt und nicht so recht weiß, wohin die Reise gehen soll.

Die unvoreingenommene und dennoch keineswegs unkritische Haltung des Films erlaubt nichtsdestotrotz lehrreiche Einblicke in das Geschäft mit dem Atommüll und liefert gerade Kernkraft-Gegnern Ansätze und Denkanstöße für eine fundierte Kritik, die über das Äußern eines vagen Unbehagens hinausgeht. Mit seinen an Sciene-Fiction-Filmen und James-Bond-Sets erinnernden Schauplätzen erzählt "Die Reise zum sichersten Ort der Erde" außerdem visuell eindrucksvoll von dem utopischen Potenzial und der wissenschaftlichen Pionierarbeit, die einst mit der Atomenergie verbunden wurden. Wie naiv diese Fantasien jedoch waren, zeigt die Gegenwart umso schmerzhafter.

Fazit: Edgar Hagens Dokumentarfilm gibt einen lehrreichen und aufrüttelnden Einblick in das Geschäft mit dem nuklearen Abfall. Die unvoreingenommene Haltung überzeugt ohne ideologisch zu werden, während der Film so manches mal auf der Stelle tritt und einige Längen hat.





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