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Kritik: Apple Stories (2012)


Rasmus Gerlach gibt sich alle Mühe, den Herstellungsprozess von Apples "iPhone" aufzudecken und für den Zuschauer deutlich zu machen. Und tatsächlich, die verschiedenen Produktionsstufen, die mit der Herstellung des Kult-Geräts verbunden sind, schockieren und machen fassungslos. Gerlach machte sich auf zu einer Reise nach Ruanda, wo das Zinn – ein für die Handyproduktion essentieller Bestandteil – unter unmenschlichen Bedingungen gefördert wird. Der Film zeigt unterernährte, spärlich bekleidete Minenarbeiter, die – oftmals ohne Helm und in Flip-Flops – unter lebensbedrohlichen Umständen das Metall für 40 Euro im Monat aus dem Gestein holen. Weiter geht die Reise nach China zu einer illegalen Fertigungsanlage für Handy-Ersatzteile, in der die Arbeiter ständiger Überwachung und Bedrohung ausgesetzt sind. Natürlich werden auch hier die Arbeiter ausgebeutet und für einen Billig-Lohn beschäftigt. Diesen Ereignissen und aufrüttelnden, ungeschönten Bildern setzt Gerlach Szenen und Sequenzen aus einem neu eröffneten Apple-Store in Hamburg entgegen. Der Film zeigt an dieser Stelle, wie tausende Kunden und Apple-Fans angespannt vor den Türen des Ladens ausharren, um als erste an das begehrte neue iPhone zu kommen.

Mit dieser Gegenüberstellung des offensichtlichen Kult-Status’ der Geräte und der großen Beliebtheit des Unternehmens, die durch die Bilder aus dem Apple-Store nachhaltig deutlich wird, und den Szenen aus der afrikanischen Mine und der Anlage des Apple-Zulieferers, wird klar, wieso Konzernriesen wie Apple immer wieder in die Kritik geraten und an den Pranger gestellt werden. "Apple Stories" schießt sich jedoch dermaßen auf diese negativen Komponenten der Herstellungsprozesse ein, dass eine differenzierte filmische Darstellung hier leider völlig misslingt. So wird z.B. mit keinem Satz erwähnt bzw. bleibt komplett außen vor, was Apple gut macht, auszeichnet oder in der Vergangenheit hervorragend gelungen (z.B. die ausgeklügelte Marketingmaschinerie) ist. Ärgerlich ist zudem, dass Gerlach immer wieder kommentarlos zwischen den einzelnen Handlungsorten und Geschehnissen (Ruanda, China, Hamburg u.a.) hin- und herspringt und die Szenen ohne erzählerische Verbindung aneinanderreiht.

Zu guter Letzt bleibt der Film auch noch jegliche Vergleiche schuldig, die offenlegen, wie z.B. Apples Konkurrenten und andere Technologiekonzerne ihre Produkte herstellen lassen. Liegt dies vielleicht daran, dass Konzerne wie Samsung, Nokia oder HTC auf die selben ausbeuterischen Methoden und Mechanismen setzen? Da dieser Umstand schon längst kein Geheimnis mehr ist und am Ende des Films der Eindruck einer deutlich negativen Darstellung von Apple überwiegt, bleibt letztlich die Frage, was um alles in der Welt Filmemacher Rasmus Gerlach eigentlich persönlich gegen Apple hat und woher seine Wut auf das Unternehmen stammt.

Fazit: "Apple Stories" liefert interessante und spannende Einblicke in die Handyproduktion des Konzerns, ist letztlich aber zu einseitig und konfus geraten, als dass er auf ganzer Linie überzeugen könnte.




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