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Kritik: Am Hang (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Bei wem ist schon alles in Ordnung?", fragt Felix (Henry Hübchen) zu Beginn der Literaturverfilmung "Am Hang" von Markus Imboden. Bei ihm ist offensichtlich kaum etwas in Ordnung, stand er doch gerade erst in scheinbar selbstmörderischer Absicht an einer Bahnschiene. Jedoch wurde er von Thomas (Maximilian Simonischek) zurückgehalten und stritt danach ab, sich selbst töten zu wollen. Glaubwürdig erscheint es nicht, geht er doch anschließend in sein Hotelzimmer und lädt eine Waffe mit einer Kugel. Vielleicht will sich Felix nicht töten, mit seinem Leben spielen aber schon. Dann installiert er an dem Fenster seines Hotelzimmers noch ein Fernrohr, um ein großes Gebäude zu beobachten und hinterlässt Nachrichten auf der Mailbox einer Frau. Als er abermals auf Thomas trifft, deutet sich allmählich an, warum Felix in einer Krise steckt: Seine Ehe ist gescheitert und ihm "ist sie Heimat gewesen, die Ehe". Anwalt Thomas sieht hingegen in der Ehe einen ständigen Kampf zwischen Gewohnheit und Treue, so dass er lieber wechselnde Affären hat. Zuletzt sogar mit einer verheirateten Frau. Deshalb beginnen sie ein Gespräch über die Ehe und die Liebe, das immer mehr auf eine finale Konfrontation zusteuert.

In Rückblenden entfalten sich die vergangenen Romanzen von Thomas und Felix, dabei erfährt der Zuschauer schnell, dass Felix‘ gescheiterte Ehe und Thomas‘ Affäre im Zusammenhang stehen: In den Rückblenden ist dieselbe Frau (Martina Gedeck) zu sehen. Hier stellt sich die Frage, warum Markus Imboden in seinem Film auf die Pointe des gleichnamigen Romans von Markus Werner verzichtet – dort enthüllt sich erst am Ende, dass Felix‘ Ehefrau und Thomas‘ Geliebte dieselbe Frau ist. Sicher hätte Markus Imboden für diesen Clou von seiner realistischen und statischen Inszenierung abweichen müssen, aber er hätte seinem Film die dringend benötigte Spannung belassen.

Stattdessen werden nun Ehe und Liebe zwischen diesen Männern in Dialogen von vorne bis hinten durch dekliniert. Mit Sätzen wie "Es gibt nichts trauriges, als eine Zahnbürste, die allein im Becher steht" ist dieses Gespräch alles andere als lebensnah, sondern behält ein künstliches Flair. Zudem stellt sich des öfteren die Frage, warum sich Thomas mit dem aggressiven Felix einlässt und auch noch über Liebe redet. Darüber hinaus fällt die Abwesenheit einer weiblichen Perspektive auf. Valerie alias Bettina (Martina Gedeck) bleibt vielmehr Projektionsfläche der jeweiligen Männer. Selbst als sie in der Handlung nicht mehr nur indirekt durch die Gespräche vermittelt, sondern direkt erscheint, bleibt sie rätselhaft.

Deshalb bleibt auch die vermeintlich große Liebe, die Bettina und Felix einst verbunden hat, eine bloße Behauptung, die durch ständiges Wiederholen nicht glaubhafter wird. Hinzu kommt, dass Martina Gedeck weder mit Henry Hübchen noch Maximilian Simonischek besonders gut harmonisiert, so dass die Anziehung kaum spürbar ist. Vor allem aber erscheint trotz aller Bemühungen von Henry Hübchen Felix' Trauer über den Verlust der Ehefrau durch seine beständige Eifersucht schon während der angeblich glücklichen Zeit mehr als verletzte Eitelkeit. Deshalb bleiben vom "Am Hang" letztlich vor allem die schönen Bilder (Kamera: Rainer Klausmann) von diesem entrückten Ort am Hang in Erinnerung.

Fazit: "Am Hang" hätte ein Thriller, ein Eifersuchtsdrama oder ein philosophischer Film über die Liebe werden können. Durch leblose Dialoge und Spannungsverzicht bleibt der Film aber eine blutleere Literaturverfilmung.





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