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Ella und das große Rennen
Ella und das große Rennen
© Film Kino Text

Kritik: Ella und das große Rennen (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Ella und das große Rennen" findet die erste Verfilmung der finnischen Kinderroman-Reihe um den Schulalltag der kleinen achtjährigen Ella auch den Weg auf die deutschen Leinwände. In ihrem Ursprungsland sind die Bücher des Autors Timo Parvela enorm populär, sie gehören sogar zum Lese-Kanon an den finnischen Schulen. Auch in Deutschland ist die "Ella"-Fangemeinde in den letzten Jahren rasant angestiegen, erschienen seit 2007 hierzulande immerhin acht Bücher der Serie. Regisseur Taneli Mustonen verschafft seiner Heldin Ella ein weitestgehend gelungenes Film-Debüt. Trotz einiger Unglaubwürdigkeiten in der Geschichte, wird die überdrehte Mischung aus rasanter Action, hohem Slapstick-Anteil und sympathischen kleinen Helden vor allem die Kleinsten begeistern.

Wer an Filmen eine logische Handlung, glaubwürdige Charaktere und nachvollziehbare Verhaltensmuster der beteiligten Protagonisten schätzt und diese Attribute auch für unverzichtbare Elemente bei Kinderfilmen hält, der wird mit "Ella und das große Rennen" vielleicht seine Probleme haben. Denn Logik und Glaubwürdigkeit spielen in Taneli Mustonens erster "Ella"-Verfilmung nur eine untergeordnete Rolle. Das fängt schon bei den am Reißbrett entworfenen Erwachsenen-Figuren an. Diese setzen sich weder für den Erhalt der geliebten Schule ihrer Kinder ein, noch haben sie ein Problem damit, dass quer durch ihr Dorf eine Formel-1-Rennstrecke verlaufen soll. Auch erscheint es natürlich wenig glaubwürdig und weit hergeholt, dass ein Rennen zwischen den Kindern und keinem geringeren als dem Formel-1-Weltmeister (!) höchstpersönlich über den Erhalt der Schule entscheiden soll.

Doch lässt man die Fragen nach Authentizität und durchgehender Logik bei Seite, erlebt man hier einen heiteren, rasant inszenierten Kinderfilm mit sympathischen Helden und hohem Witz-Anteil. Die Kinder spielen in dem Film dabei die klar dominierende Rolle und degradieren die erwachsenen Figuren – egal ob Eltern, Lehrkräfte oder die bösen Buben – zu Stichwortgebern und (größtenteils bemitleidenswerten) Nebendarstellern, die nicht sonderlich viel zum Geschehen beizutragen haben. Die Kinder, allen voran die das Geschehen aus dem Off kommentierende Hauptdarstellerin Freja Teijonsalo, verkörpern ihre Rollen mit viel Spielfreude und nicht zu überzeichnet. Als Zuschauer fiebert man mit den kleinen Helden mit und drückt ihnen bei dem aberwitzigen Rennen gegen den Formel-1-Weltmeister die Daumen.

Des weitern würzt Regisseur Mustonen seinen Film mit reichlich skurrilem, überdrehtem Witz und einigen gelungenen technischen Spielereien (z.B. der Einsatz von Zeitraffer und Zeitlupe). Bestes Beispiel: Wenn die Kinder ganz in "Armageddon"-Manier als eingeschworene Truppe in ihren roten Formel-1-Outfits pathetisch und bedeutungsschwanger in Szene gesetzt werden. Und letztlich vermittelt der Film die frohe Kunde von den zusammenhaltenden Klassenkameraden, die gemeinsam für ein hehres Ziel kämpfen und allen Widrigkeiten trotzen – gerade zu Weihnachten eine positive Botschaft.

Fazit: Trotz fehlender Glaubwürdigkeit und einiger Logik-Löcher, gelingt eine rasant inszenierte, actionreiche Roman-Adaption, die vor allem durch die sympathischen Kinder-Darsteller und die technischen Spielereien punktet.





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