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Kritik: Matterhorn - Wo die Liebe hinfällt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Matterhorn" ist das Spielfilmdebüt des Autors und Regisseurs Diederik Ebbinge. Es ist ein Film der leisen Töne und der sehr genauen Beobachtungen. Viel gesprochen wird hier nicht und der Hintergrund der Charaktere enthüllt sich nur Stück für Stück. So wirkt das Verhalten von Fred und Theo, aber auch das anderer Personen, wie dem Dorfpastor, hochgradig skurril bis absurd. Erst gegen Ende hin offenbart sich, dass so manche vermeintliche Schrulle und auch so manche tatsächliche Andersartigkeit, durchaus nachvollziehbare Ursachen hat. Aber es geht Diederik Ebbinge weniger ums Erklären, als ums Aufzeigen von Besonderheiten. So vollzieht sich auch kein Prozess der "Heilung" hin zu einer unauffälligen Normalität, sondern ein Prozess der Bejahung und der Integration der Andersartigkeit. Als Theo mitten in einem Supermarkt auf dem Boden zu kriechen und wie ein Schaf zu mähen anfängt, so führt dies nicht zu einer unsäglichen Peinlichkeit, sondern zu einem fröhlichen Erstaunen über diese tolle "Nummer" und zu dem ersten Auftrag für einen Auftritt auf einem Kindergeburtstag. Im Verlaufe der Handlung wird auch immer deutlicher, dass Fred mit seinem zwanghaften Ordnungsstreben nicht nur die Erinnerung an seine bei einem Autounfall verunglückte Frau und Tochter in den Griff zu bekommen versucht, sondern sich auch in einem Akt der Selbstkasteiung von für ihn nicht akzeptablen Gefühlsregungen zu befreien versucht.

"Matterhorn" ist ein wahres Kleinod des Queer-Cinemas, dass die Frage der sexuellen Orientierung überschreitend für das Recht auf Andersartigkeit eintritt. Die eigentlichen Probleme entstehen hier aus dem Unwillen zur Akzeptanz von unbequemen Tatsachen, wie man lieber verdrängt. Die vordergründigen Probleme hingegen sind oft gar keine, wenn man sich und die anderen einfach so annimmt, wie jeder wirklich ist. Geschieht dies doch, dann können sich scheinbare Schwächen sogar als besondere persönliche Stärken offenbaren. Diese positive Botschaft wird dem Zuschauer jedoch keineswegs mit schulmeisterlicher Aufdringlichkeit unter die Nase gerieben. Dafür ist "Matterhorn" nicht nur viel zu charmant, sondern auch viel zu ver-queer.

Fazit: Der niederländische "Matterhorn" ist ein Film der leisen Töne und zugleich ein frech funkelndes Juwel des Queer-Cinemas. Auf charmant absurde Art zeigt der Film, dass menschliche Vielfalt auch in der tiefsten Provinz ihren Platz finden kann.




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