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Blackfish
Blackfish
© Magnolia Pictures

Kritik: Blackfish (2013)


Wiederholt packt ein Orca-Weibchen den erfahrenen SeaWorld-Trainer am Fuß und taucht mit ihm unter, kommt wieder hoch und lässt ihn Luft schnappen. Dann geht es zurück zum Beckengrund. Dies ist keine andressierte Showeinlage, sondern eine plötzliche Umkehr der Rollen mit beinahe tödlichem Ausgang. Erst als andere Mitarbeiter den Wal ein paar Sekunden ablenken können, flüchtet sich der Trainer mit letzter Kraft aus dem Becken. Dies könnte der Stoff für einen Thriller sein, aber es sind Originalaufnahmen einer Attacke in einem amerikanischen Vergnügungspark.

Mehr als ein halbes Dutzend ähnlicher Vorfälle, manche mit tödlichem Ende, schildert die Dokumentarfilmerin Gabriela Cowperthwaite in "Blackfish". Der Titel ist, wie auch Killerwal, eine weitere Bezeichnung für den Schwertwal, die größte Delfinart mit bis zu 9,8 Meter langen Bullen. Die auf dem Sundance Film Festival 2013 gezeigte Dokumentation aber stilisiert die schwarzweiß-gemusterten Raubwale nicht zu Bestien – im Gegenteil: Die Regisseurin führt in erster Linie den Nachweis der Tierquälerei aus Profitstreben, mit schlimmen Folgen auch für Menschen.

Der dramaturgische Aufbau des Films mit seiner Gegenüberstellung der Attacken auf Trainer und dem Leiden der Tiere erzeugt eine wachsende emotionale Spannung. Einige Bilder und Aussagen werden sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzen. Im Zentrum steht das Schicksal des Orcas Tilikum, der 1983 als Junges vor der isländischen Küste gefangen wurde. Ein ehemaliger Fischer berichtet, wie grausam solch eine Jagd für die Wale ist, die ihr ganzes Leben in einem Familienverband verbringen. Bevor Tilikum im Jahr 1991 in einem kanadischen Vergnügungspark mit zwei anderen Orcas eine Frau ertränkt, hat er dort schon ein langes Martyrium hinter sich: enge Käfighaltung und ständige Aggressionen anderer Wale, die aus völlig verschiedenen Gruppen stammen.

Ehemalige Trainer bei SeaWorld, wohin der Wal danach verkauft wird, schildern Tilikum als lernwillig und freundlich. Das Unternehmen selbst lehnte ein Interview ab. Am Schluss kehrt der Film noch einmal zum Todestag von Dawn Brancheau im Jahr 2010 zurück und zeigt, dass schon in den Minuten vor der Attacke einiges aus dem Ruder lief. Womöglich führt eine winzige Frustration zu viel zur Attacke eines lange kooperativen Wals. Niemand kann genau sagen, ob sie als Spiel beginnt, oder von Anfang an als blutige Rache intendiert ist. 2009 erfuhr man dank des Oscar-prämierten Dokumentarfilms "Die Bucht", dass Delfine unter dem Lärm in Vergnügungsparks leiden und dort nicht fröhlich, sondern depressiv sind. Es wurde Zeit, dass nun ein weiterer gut recherchierter Film auch hinter die heitere Fassade der Orca-Shows blickt.

Fazit: Wie die intelligenten, emotionsfähigen Orcas in Vergnügungsparks traumatisiert werden und manchmal ihre Trainer attackieren: Mit aufwühlenden Bildern prägt sich dieser hervorragende Dokumentarfilm ins Gedächtnis ein.




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