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Die Lügen der Sieger
Die Lügen der Sieger
© NFP marketing & distribution © Warner Bros.

Kritik: Die Lügen der Sieger (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Per Inhaltsangabe ließe sich der neue Film von Christoph Hochhäusler ("Unter Dir die Stadt", 2010), der hier Regie führt und gemeinsam mit Ulrich Peltzer das Drehbuch verfasst hat, auf einen schnörkellosen Politthriller abstrahieren: Widerwillig findet sich ein Protagonisten-Duo aus einem erfahrenen Journalisten und einer nur vordergründig naiven Volontärin zusammen, das dann Schritt für Schritt, Szene für Szene mehr vom Ausmaß des sie umgebenden Skandals begreift. Sowohl die Figuren als auch das Setting erweisen sich dabei als durchaus genretypisch und bedienen erst einmal selbstbewusst alle Konventionen und Erwartungen.

Doch ebenso durchziehen zahlreiche Irritationen und Abwege "Die Lügen der Sieger" und stellen die wahrnehmbaren Allgemeinplätze in Inszenierung und Botschaft in Frage. Ein Holpern in der Montage, ein traumhafter Einschub und satirische Überspitzungen reißen immer wieder aus der stimmungsvoll entworfenen Filmwelt und hieven den Thriller auf eine Meta-Ebene. Diese drängt vielleicht weniger zum Hinschauen auf reale Skandale und deren Gemachtheit, als dass sie den Blick gezielt auf filmische Konstruktionen lenkt und reflektiert, wie Kino vom Skandal erzählt.

Übliche Spannungsmuster unterläuft Hochhäusler so trotz des Rückgriffs auf Genre-Elemente, als reiner Thriller betrachtet kann "Die Lügen der Sieger" nur enttäuschen. Als treffendes, bisweilen überdeutliches Portrait einer Gesellschaft zwischen Medialisierung, Paranoia und alltäglichen Machtkämpfen hingegen überzeugt der Film umso mehr. Denn gerade trotz seiner plakativen, trivial erscheinenden Erkenntnisse ist hier eine Bescheidenheit spürbar, die nicht vorgibt, mit einem Ruck narrative Techniken sowohl des Genrekinos als auch die von Presse und Politik vollkommen zu demaskieren. Stattdessen bietet "Die Lügen der Sieger" eine bloße Ahnung davon, was wirklich passiert, und einen tiefen Einblick in die Mechanismen des Spielfilms.

Fazit: Als reines Unterhaltungskino dürfte Christoph Hochhäuslers Annäherung an den Politthriller eher enttäuschen. Dennoch gelingt dem Filmemacher eine spannende Reflexion über Erzählweisen des Genrefilms.




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