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FBW-Bewertung: Trash (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Müll ? davon leben die Bewohner in den Favelas auf der riesigen Müllkippe in Rio de Janeiro und sie werden meist auch so behandelt. Der Film steigt rasant in sein Thema ein. Wir treffen die drei Jungen Raphael, Gardo und Rato, die ihr Leben dort verbringen und ab und zu in der Sozialstation bei Pater Juilliard und der Sozialhelferin Olivia vorbeischauen, um etwas zu essen und ein wenig Sicherheit zu erhalten. Eines Tages stößt Raphael beim Durchwühlen einer Ladung Müll auf eine Brieftasche, die ein Geheimnis zu enthalten scheint. Als die Polizei nach eben dieser Brieftasche sucht, sindsich die drei Jungen sicher, dass sie ein gefährliches Rätsel lösen müssen.

In einer Mischung aus Thriller und Abenteuerfilm inszeniert Regisseur Stephen Daldry den Film nach dem Roman von Andrew Mulligan und aktualisiert ihn angemessen. Mit schnellen Schnitten und einer genialen Kamera wird der Zuschauer in die Szene hineingezogen. Durch die stimmige Inszenierung und Dramaturgie des Films wird der Einstieg ins Thema gesetzt. Immer einen Schritt vor den Jungs erfährt das Publikum Einzelheiten, die diese noch erkunden müssen. Damit wird Spannung erzeugt, die Identifikation und Empathie mit den drei Jungen verstärkt sich. Ihre archaische Haltung gegenüber Geld und Macht, besonders die Haltung Raphaels, der sich den Verlockungen einer Belohnung entzieht und spürt, dass es hier um ein ?großes Ding? geht, macht ihn zum charakterfesten Helden, der die Erfahrungen seines jungen Lebens einzusetzen weiß.
Die sympathisch gezeichneten Hauptdarsteller tragen diesen Ensemblefilm mit großer Souveränität. Ihre Cleverness, Ausdauer und Solidarität begleiten sie durch alle Gefahren, wenn auch manchmal die Rettung in letzter Minute kommt und niemals garantiert scheint.
Durch die Wahl der begrenzten Schauplätze entsteht ein faszinierender Sog, der gefangen nimmt und den Fokus ganz auf die Erlebnisse der drei Jungen legt. Dem Setting kommt dabei eine besondere Rolle zu. Niemals wirkt es künstlich oder nur für den Film gebaut, diese Wirkung trägt den Film und verleiht ihm große Glaubwürdigkeit. Sobald die Szenerie in die Welt der Reichen wechselt, ist dies auch durch eine kühlere Temperatur in den Farben erkennbar, während die Jungs ?im Feuer stehen?, geht es in den Villen sachlich meist um Geld. Gefühle leistet sich hier keiner.
Die poetischen Szenen des Films zum Showdown hin stehen den manchmal brutalen und blutigen Szenen gegenüber und machen seine Geschichte glaubwürdig. Der Regisseur Stephen Daldry, der bereits in früheren Filmen sein großes Können und Geschick beim Einsatz von jungen Darstellern gezeigt hat, findet auch hier wieder eine gelungene Besetzung für alle Rollen.
Insgesamt zeigt der Film eine großartige Performance und Komposition aller Beteiligten, ob Darsteller, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Musik. Alles kommt zusammen in einer Inszenierung, die begeistert.



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