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Puro Mula
Puro Mula
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Puro Mula (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Filme aus Guatemala kommen selten in deutsche Kinos. Im Rahmen der spanischsprachigen Filmtournee Cinespanol 3 kann man jedoch die flotte, liebevoll satirische Komödie "Puro Mula" anschauen. Sie ist der erste Spielfilm aus der Produktionsschmiede Best Picture System, die von kubanischen Filmstudenten gegründet wurde, um länderübergreifend Filmstoffe aus dem mittelamerikanischen Raum zu entwickeln. Regisseur Enrique Pérez Him kommt aus Panama, sein Co-Autor Ariel Escalante aus Costa Rica. Die Geschichte aber taucht in den Alltag und die Mentalität eines kleinbürgerlichen Milieus in Guatemala ein.

Joel hat keinen Grund, auf sich stolz zu sein: Während morgens sportliche junge Frauen durch die Straßen joggen, übermannt ihn nach durchzechter Nacht auf dem Heimweg der Brechreiz. Die Bekannten, denen er später auf der Suche nach dem Neffen begegnet, halten nicht viel von ihm. Und das zu Recht: Denn Joel hat nicht nur beim Kinderhüten versagt, er schafft es auch, zweimal von der Polizei aufgegriffen zu werden. Der Filmtitel, der soviel wie "Vollidiot" bedeutet, trifft Joels Problem ziemlich genau.

Der freche, unverblümte Dialogwitz ist das hervorstechendste Merkmal dieser vergnüglichen Posse. Anstatt ihr gerne zu helfen, beklagt sich Joel noch bei seiner berufstätigen Schwester, dass er ein Recht auf ein eigenes Leben habe. Zwei Jungen, deren Steinschleuder er ausprobieren will, fordern ihn auf, mit Gleichaltrigen zu spielen. Obwohl weiter nichts Wichtiges geschieht, ist die Handlung voller genau beobachteter Situationen, die aus dem Leben gegriffen wirken und lustig ausgemalt sind.

Die Charaktere sind fast alle gutmütig und trotz ihrer Schwächen sympathisch. Im Viertel kennen sich die meisten. Der Streifenpolizist Robles (Jairon Salguero) muss immer noch Nachsicht üben mit Joel, wie schon zu seiner Zeit als Halbstarker. Aber er tut das gerne, weil ihm die Menschen und ihre Probleme so vertraut sind. Einem Saufkumpan von Joel, der von der Arbeit seiner Frau lebt und sich auch nicht um seine Kinder kümmert, gestattet der Film, voller Stolz seine Heimkinoanlage zu präsentieren. Die deftige Ausdrucksweise klingt immer wieder von der Hochsprache weit entfernt, was den realitätsnahen Eindruck verstärkt. Die flotte Musikuntermalung passt gut zum unbeschwerten Ton der Komödie, die kritische Themen mit scheinbarer Naivität in bodenständige Unterhaltung verwandelt.

Fazit: Die possenhafte, frische Komödie aus Guatemala begleitet einen Taugenichts mit treffsicherer Satire und liebevollem Blick durch sein Stadtviertel.




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