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Kritik: Schneeflöckchen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Schneeflöckchen" erlebte seine Premiere auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest. Der Film wurde inszeniert von Adolfo Kolmerer, der ursprünglich aus Venezuela stammt und Informatik studierte. Schon früh begeisterte sich der 31-jährige für das Medium "Film" sowie unterschiedliche Bewegtbild-Genres und drehte Kurzfilme, Features sowie Musikvideos. Seinen ersten Kurzfilm inszenierte der leidenschaftliche Film-Fan 2008 im Alter von 22 Jahren. "Schneeflöckchen" ist sein Langfilm-Debüt.

"Schneeflöckchen" lässt sich schwer in Worte fassen und je weniger man über die bizarren, kapriziösen Geschehnisse weiß, desto besser ist das für den Zuschauer. Ein großer Reiz des Films geht von seiner intelligenten Meta-Ebene aus, die immer wieder für Überraschungen sorgt: der Clou vom im Film auftauchenden Drehbuch jenes filmischen Werks, das der Zuschauer im Kinosessel gerade sieht. Das Geniale ist, wie Regisseur Kolmerer dabei immer wieder die Erwartungen des Zuschauers – aber vor allem auch der beiden Hauptfiguren – unterläuft. Denn eigentlich kennt man die künftigen Ereignisse ja bereits und auch das Ende wird, durch ein Blick der Brüder an den Schluss des Scripts, bereits vorweggenommen.

Wie hier dennoch immer wieder der Wissensvorsprung als Aufhänger für neue verrückte und groteske Handlungselemente und Vorkommnisse benutzt wird, ist tatsächlich äußerst geschickt. Und: wie Kolmerer das Lesen im Drehbuch (also baldige Ereignisse) herrlich mit dem Hier-und-Jetzt bzw. dem gegenwärtigen Geschehen auf der Leinwand, kombiniert. Etwa, wenn Tan und Avid einen Satz im Drehbuch lesen und das Gelesene sich wenige Sekunden später auf der Leinwand exakt so manifestiert. Oder wenn der Autor des Scripts den Brüdern beweist, dass sie die Hauptdarsteller in seinem Film sind. Dies gelingt ihm, indem er alle künftig ausgesprochenen Sätze bzw. Worte natürlich bereits kennt und aus dem Stehgreif beherrscht – er hat das Buch schließlich geschrieben.

Toll sind neben den schrägen Auftritten und Rollen einiger bekannter deutscher TV- und Filmschauspieler (u.a. Gedeon Burkhard und Sven Martinek) nicht zuletzt auch die etlichen schrulligen, versponnenen Figuren, die den wilden Genre-Mix bevölkern: von einem kauzigen Superhelden und Selfmade-Hero namens "Hyper Electro Man" über zwei kannibalische Killer, die grunzend und in obskuren Tier-Masken durch die Gegend laufen, bis hin zum zauberhaften, mit blutverschmierten Flügeln gesegneten Wesen, das dem Film den Titel gibt. In einer der radikalsten Szenen steht dieses Schneeflöckchen – tragischerweise – im Zentrum. Stark sind auch die vielen Anspielungen und Querverweise auf Klassiker der Filmgeschichte und Werke, die "Schneeflöckchen" und Film-Freak Kolmerer (wahrscheinlich) inspiriert haben: vom "Marathon-Mann" (Stichwort: Folter im Zahnarzt-Stuhl) über "Pulp Fiction" (die "Döner"-Eröffnungssequenz) und dem Slasher "Berkshire County" (die wahnwitzige Schweinsmaske) bis hin zu "Unsere Zeit ist jetzt" (die Meta-Ebene).

Fazit: Wilder, extrem unterhaltsamer Genre-Mix, dessen intelligente Story trotz einer gewissen – und gewollten – "Vorhersehbarkeit" für etliche Überraschungen und unvorhergesehene, radikale Wendungen sorgt. Hinzu kommen die skurrilen Figuren und etliche, herrlich verschrobene Gast-Auftritte bekannter deutscher TV- und Filmdarsteller.




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