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Kritik: Workers (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Workers" ist der erste Spielfilm des mexikanischen Regisseurs José Luis Valle, der hier auch als Drehbuchautor und Produzent fungierte. Mit seinem Film liefert er eine gelungene Bestandsaufnahme der arbeitenden Klasse in seinem Heimatland, deren Angehörige oft ein Leben lang nur für andere hart arbeiten müssen und am Ende mit leeren Händen dastehen. Rafael und Lidia stehen dabei exemplarisch für eine ganze Gesellschaftsschicht, der Valle mit seiner Tragikomödie nun ein Denkmal setzt. "Workers" ist mit seinen 120 Minuten dabei nicht nur auf dem Papier extrem lang geraten: Wer hier kein Faible für eine ruhige, gemächliche Inszenierung mit langen Einstellungen und poetischen Bildern hat, ist definitiv im falschen Film. "Workers" entschleunigt die Schnelllebigkeit und Hektik unserer modernen, technisierten Welt und zelebriert stattdessen Ruhe, Langsamkeit und Ausgewogenheit. Und verzichtet dabei nicht auf leisen Humor.

"Workers" ist in erster Linie das Porträt zweier einfacher Leute, die in der dreckigen, düsteren mexikanischen Grenzstadt Tijuana leben und die meiste Zeit ihres irdischen Daseins hart für andere, vorwiegend reiche Mexikaner gearbeitet haben. Die beiden Hauptfiguren sind zwei Beispiele dieser aktuellen mexikanischen Arbeitswelt einschließlich ihrer Protagonisten, der Regisseur Valle hier den Spiegel vorhält – und sie dabei gar nicht gut dastehen lässt. Valle beschreibt die Arbeitswelt seines Heimatlandes als ausbeuterisch und knüppelhart, herumkommandiert und schikaniert wird man von den wohlhabenden Arbeitgebern und Hausherren. Dennoch sind Rafael und Lidia keine verbitterten, gebrochenen Menschen, im Gegenteil: sie gewinnen dem anstrengenden Alltag immer wieder Positives ab und erfreuen sich an den kleinen Dingen und Gesten des Lebens. Jesús Padilla und Susana Salazar verkörpern ihre Figuren warmherzig und glaubhaft.

Was die Art der Inszenierung anbelangt, so ist "Workers" ein zweischneidiges Schwert. Als Gegenpol zu unserer westlichen, schnelllebigen, modernen Arbeitswelt und der Hektik des Alltags konzipiert, stellt Valles Film eine regelrechte Hommage an Langsamkeit und Stille dar. In unzähligen langen Einstellungen und Szenen, die minutenlang ohne Schnitt auskommen, zeigt er die soziale Ungerechtigkeit und Ausnutzungsgesellschaft in seinem Heimatland. Um den Film daher genießen zu können, sollte man ein Faible für einen behäbigen, fast schwerfälligen Regie-Stil in jedem Fall mitbringen. Eine Szene des Films soll hier exemplarisch die Besonderheit des Stils darlegen. Die Szene zeigt eigentlich nicht viel mehr als den Eingang eines Bordells, das Rafael betritt. Den Straßenabschnitt davor zieren Prostituierte und Jugendliche. Nichts passiert. Die Momente vergehen wie Minuten und gezeigt wird nicht mehr als dieser Eingang und die davor verlaufende Straße mit den genannten Gestalten. Dann – nach gefühlten fünfzehn Minuten – verlässt Rafel das Bordell wieder und erst kurz darauf erfährt man, was darin passierte – nämlich nichts, zumindest kein Geschlechtsverkehr.

Fazit: Zwei fabelhafte Darsteller zeigen den zermürbenden Alltag der mexikanischen Arbeiterklasse. Der behäbige Regie-Stil mit seinen ruhigen Bildern und den langen Einstellungen verlangt dem Zuschauer aber einiges an Durchhaltevermögen ab.




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