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Mittsommernachtstango
Mittsommernachtstango
© Neue Visionen

Kritik: Mittsommernachtstango (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Frage des Ursprungs des Tanzes geht die Regisseurin Viviane Blumenschein mit "Mittsommernachtstango" auf den Grund. In ihrem unterhaltsamen, selbstironischen Roadmovie begleitet sie drei argentinische Tango-Tänzer nach Finnland, um die wahre Herkunft zu ergründen. Das Ergebnis ist ein gelungener Culture-Clash, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und durch seine durchweg sympathischen, kuriosen Figuren überzeugt.

Chino Laborde, Diego Kvitko und Pablo Greco stecken voller Temperament, sind heißblütig und schlichtweg die typischen argentinischen Tango-Musiker, wie man sie sich eben vorstellt. Sie können sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ihr Tanz aus dem weit entfernten Finnland stammt. Der Tango und das Land der Seen, Wälder und introvertierten Menschen? Nein, das kann nicht sein. Aus diesem Grund begaben sich die drei Freunde auf eine musikalische Entdeckungsreise nach Skandinavien, um die gewagten These von Kaurismäki auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Die erste Hälfte der Reise gestaltet sich für die drei Reisenden alles andere als erfolgreich. In den ersten Tagen durchfahren sie die unendlichen Wälder des Landes, in denen sie sich nicht nur einmal verfahren. Sie treffen auf schweigsame Menschen, die den südamerikanischen Paradiesvögeln eher kritisch gegenüberstehen und nicht mit ihnen sprechen wollen. Und auch ein Bad in einem der unzähligen Seen des Landes darf nicht fehlen, bevor sie kurz darauf eine fahrende Ein-Mann-Sauna treffen. Diese Szenen und Begegnungen führen die Drei zwar bei der Suche nach der Antwort nicht wirklich weiter. Dafür sorgen diese für umso mehr Unterhaltung und Heiterkeit beim Zuschauer.

Antworten finden sie erst, als sie vor Ort auf die berühmtesten Vertreter des finnischen Tango treffen, z. B. Reijo Taipale, Sanna Pietiäinen oder M. A. Numminen. Dieses Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen erfüllt den zwar ein wenig pathetisch klingenden aber doch so wahren Grundsatz, dass Musik und Tanz in der Lage sind, Grenzen zu überwinden und Menschen auf der ganzen Welt miteinander zu verbinden. Und so kommen die drei Argentinier ihrer Antwort immer näher, wenn sie mit ihren finnischen "Kollegen" jammen, singen und - natürlich - tanzen. Wenn der Tango erklingt, verbindet er jegliche Sprachen und Kulturen. Dann zählt nicht der Ursprungsort, sondern nur die Liebe zur Musik und dem Tanz.

Daher spielen die Eingangsfrage und der Grund, wieso sich die drei Tänzer auf den Weg nach Finnland machten, am Ende gar keine so große Rolle mehr. Am Schluss stehen drei Argentinier, die viele interessante Menschen kennengelernt haben und kuriose Begegnungen hatten, und die ihre ursprüngliche Meinung über das eigentümliche Land revidieren müssen. Oder, um es mit einem der Argentinier zu sagen: "Es ist schön hier, seltsam, aber schön".

Fazit: Sympathischer, sehr unterhaltsamer Culture-Clash-Roadtrip mit sonderbar-sympathischen Figuren und vielen komischen Momenten.





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