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Killing Time - Zeit zu sterben
Killing Time - Zeit zu sterben
© drei-freunde

Kritik: Killing Time - Zeit zu sterben (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, ist der osteuropäische Film stark am Kommen. Auf dem Cottbuser Festival des osteuropäischen Films kann man alljährlich bewundern, was für faszinierende und zugleich oft auch seltsame Blüten diese Filmkunst treibt. In Cottbus erlebte auch "Killing Time – Zeit zu sterben" seine Deutschlandpremiere. Das rumänische Thriller-Drama ist der dritte Spielfilm des Schauspielers und Regisseurs Florin Piersic Jr., der in diesem Film auch einen der beiden Killer spielt. "Killing Time" ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie der osteuropäische Film unseren stark durch Hollywood geprägten Seherfahrungen zuwiderläuft. Zunächst einmal ist der Film quälend langsam. Die erste Stunde über wartet der Zuschauer gemeinsam mit den beiden Killern immer verzweifelter darauf, dass endlich einmal etwas geschieht. Hinzu kommt eine fast dokumentarische Bildgestaltung, welcher der aus amerikanischen Gangsterfilmen gewohnte Glamour ganz abgeht. Der Film wurde mit einer ruhigen Handkamera und ganz ohne Zuhilfenahme von künstlichen Lichtquellen gedreht. Statt sorgfältig komponierter Bilder finden sich Einstellungen, die oft wie zufällig erscheinen. Und immer wieder hält die Kamera lange direkt auf die Gesichter der Protagonisten drauf, als würde sie dort etwas suchen.

Die Handlungsebene ist zunächst ähnlich spröde, wie die visuelle Gestaltung. Die beiden Killer warten und langweilen sich dabei und die Zuschauer langweilen sich zusammen mit ihnen. Dabei quasselt der Gesprächige ununterbrochen groben Unfug, welchen der Schweigsame zunächst stoisch hinnimmt, auf den er mit der Zeit jedoch zunehmend aggressiv regiert. Diese langen Monologe sind bizarr, abwegig und oft schlicht dämlich. Es geht um Themen, wie den Glaser, der einen Herzinfarkt bekommt. Dann beharrt er darauf, dass Batman einen deutlich größeren Penis als Spiderman hat und letzterer ja sowieso schwul sei. Schließlich erzählt er, wie der perfekte Mord an einem Zirkuszwerg aussieht, der zudem noch als tatsächlich vom Zwerg ausgeführter Selbstmord realisiert wird. All diese Geschichten sind wenig komisch, schrecklich banal und entbehren vollkommen der Virtuosität, die z.B. ein Tarantino bei solchen Dialogen an den Tag legt. Dies kommt daher, dass "Killing Time" die Tätigkeit dieser Auftragsmörder nicht wie in anderen Filmen als äußerst spannend, wenn nicht sogar romantisch darstellt. Hier erscheint dieser Job so, wie er wahrscheinlich viel eher ist: oft sehr langweilig und erschreckend banal.

In "Killing Time" sind weder die Handlung, noch die Dialoge wichtig. Viel wichtiger ist, was zwischen den Zeilen gesagt wird und was sich unter der Oberfläche abspielt. Es geht darum, wie diese banalen Geschichten immer mehr in eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Killern übergehen. Es prallen verschiedene Wertesysteme und unterschiedliche Lebensphilosophien aufeinander. Somit findet sich in "Killing Time" eine zunächst unerwartet große Tiefe, in der sich auch so mancher Abgrund auftut. So warten die beiden Killer auf die Heimkehr ihres Opfers, einem Rettungsarzt. Zwischendurch ruft der schweigsame Killer im Krankenhaus an, wo sein Kind anscheinend gerade eine lebensgefährliche Notoperation mitmacht. Wenn man eins und eins zusammengezählt, dann besagt die Filmlogik, dass diese OP wahrscheinlich von dem Arzt durchgeführt wird, den die beiden Killer anschließend umbringen wollen...

Fazit: "Killing Time" ist ein Thriller-Drama, das nicht nur seinen beiden Protagonisten, sondern auch dem Zuschauer extrem viel Geduld abverlangt. Doch es lohnt sich durchzuhalten, denn dies ist ein Film, der noch länger nachhallt.




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