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Warte, bis es dunkel wird
Warte, bis es dunkel wird
© Tiberius Film

Kritik: Warte, bis es dunkel wird (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Warte, bis es dunkel wird" ist ein lupenreiner Slasher, der durch seinen liebevollen Retro-Look und durch seine hervorragende Kameraarbeit glänzt. Der Film ist das Kinodebüt des als Regisseur diverser Episoden der TV-Serie "American Horror Story" bekannten US-amerikanischen Filmemachers Alfonso Gomez-Rejon. Der Slasher baut auf den Taten des realen "Moonshine-Killers", der 1946 Texarkana in Angst und Schrecken versetzte und auf - den nur lose auf den wahren Begebenheiten beruhenden - Proto-Slasher von 1976 auf. Diese Verbindung ist im Originaltitel noch augenscheinlicher. Dort heißen sowohl der zwei Jahre vor John Carpenters Ur-Slasher "Halloween" entstandene Film, als auch der Film von Gomez-Rejon "The Town that Dreaded Sundown". Dieser im Deutschen "Die Stadt, die den Einbruch der Dunkelheit fürchtete" lautende Titel erscheint zudem passender als der jetzige deutsche Verleihtitel "Warte, bis es dunkel ist".

Der Film ist von seiner gestalterischen Seite her beachtlich, von seiner inhaltlichen Seite jedoch - zumindest oberflächlich betrachtet - ziemlich hohl. Gleich der Auftakt verzückt das cinephile Herz mit einer langen Kranfahrt und Plansequenz, wie man sie ansonsten nur von Regisseuren, wie Brian de Palma kennt. Der Blick fällt auf die Rückseite einer freistehenden Kinoleinwand, auf der gerade "The Town that Dreaded Sundown" von 1976 läuft. Dann fährt die Kamera langsam in die Höhe und gibt den Blick auf die dicht an dicht parkenden Wagen eines Autokinos frei. Die Kamera fährt herunter und zwischen verschiedenen Wagen hindurch. Der Blick fällt zwischenzeitlich auf das Innere einiger Autos. Jugendliche. Ein düsteres Gesicht. Cory und Jamie. Die Kamera fährt weiter. Einige Menschen steht zwischen den Autos auf der Wise und diskutieren. Dann der erste sichtbare Schnitt. Das Auto von Corey und Jamie braust davon. Man ahnt wenig Gutes...

Von seiner Handlung her bringt "Warte, bis es dunkel ist" nichts Neues: Es ist ein typischer Slasher-Plot mit grausigen Morden und tumben Ermittlern, der über zahlreiche recht unlogische Szenen in einer fast lachhaften Auflösung gipfelt. Dabei passt der Retro-Look zu dem Ambiente einer verschlafenen Kleinstadt, die merkwürdig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Es ist, als sei die Zeit seit den ursprünglichen Morden stehengeblieben. Somit vermischen sich die neuen Morde trotz des großen zeitlichen Abstands bereits rein stimmungsmäßig sehr mit den alten. Man kann deshalb irgendwie verstehen, dass über eine mögliche Rückkehr des ursprünglichen Killers spekuliert wird. "Warte, bis es dunkel ist" spielt mit den in der Realität stattgefundenen Taten des "Moonshine-Killers". Eine weitere Ebene kommt in dem direkten Bezug zum Film von 1976 hinzu.

Die in allen ihren blutrünstigen Details gezeigten Taten des Killers sind eine Reinszenierung der Morde aus dem Film. Letztere sind wie gesagt eine stark fiktionalisierte - und makaber übersteigerte - Version der realen Morde. Somit treibt "Warte, bis es dunkel ist" trotz seiner schlichten Handlung ein sehr komplexes und intelligentes Spiel mit der gegenseitigen Durchdringung verschiedener Wirklichkeitsebenen: Reale Morde, als Dokumentation ausgegebene fiktionalisierter Film und der Film, der die tatsächliche Handlung und die Filmhandlung fortsetzt und variiert bilden ein größeres Ganzes - eine Metafiktion.

So etwas kennt man ansonsten ebenfalls eher von Brian de Palma. Auch der liebt es in seinen klassischen Thrillern wie "Dressed to Kill" (1980) und "Body Double" (1984) seine Zuschauer an der nase herum zu führen. Gerade in dem bei uns als "Der Tod kommt zweimal" bekannten "Body Double" verbindet de Palma eine in den tiefsten B-Movie-Gefilden spielende Handlung und Ästhetik mit einem hochintelligenten Springen zwischen Realität, Filmrealität und Traum. Wer solche Filme liebt, der wird auch "Warte, bis es dunkel ist" lieben. Aber auch so ist dies ein sehr stilvoller rund recht harter Slasher, den sich jeder Horror-Fan sehr gerne ansehen wird.

Fazit: "Warte, bis es dunkel ist" ist ein sehr stilvoller und ziemlich harter Slasher, der im gefälligen Retro-Look und mit einer recht kruden Handlung daherkommt. Doch unter der dumpfen Oberfläche steckt eine sehr intelligente Metafiktion.





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