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Von Glücklichen Schafen -
Von Glücklichen Schafen -
© Bernd Spauke

Kritik: Von Glücklichen Schafen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der deutsch-türkische Regisseur und Drehbuchautor Kadir Sözen erzählt die dramatische Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, in deren Kölner Alltag sich zwei Kulturen überlappen. Die Türkin ist gläubige Muslimin und hat großen Respekt vor ihrem Vater, der jahrelang nichts mit ihr zu tun haben wollte. Aber mit ihren beiden Kindern spricht sie perfektes Hochdeutsch. Zu dritt bilden sie eine ganz normale deutsche Familie, nur in ihre selbsterfundenen Gute-Nacht-Geschichten lässt Elmas orientalisches Kolorit einfließen. Aber dass sie ihren Kindern verschweigt, womit sie ihr Geld verdient, hat wohl auch damit zu tun, dass sich ihr Vater für sie schämt. Die heftige Reaktion ihres Sohnes, als er ihr Geheimnis entdeckt, zeigt Elmas, dass sie ihr Leben nicht auf solidem Fundament aufgebaut, sondern sich vieles schöngeredet hat.
Thematisch und stilistisch hat der Film einen Zwittercharakter. Zum einen erzählt er in leisen Tönen und sogar mit ein wenig verhaltenem, trockenem Humor davon, wie sich entfremdete Familienmitglieder wieder zusammenraufen: Elmas´ Vater, der schlecht Deutsch spricht, hat auf einmal die ihm unbekannten Enkel im Wohnzimmer sitzen, weil Can nicht mehr bei seiner Mutter wohnen will und seine Schwester mitgebracht hat. Der mürrische Alte und die beiden Kinder, die ihn merkwürdig finden, kommen besser zurecht, als zu erwarten gewesen wäre. Der Großvater erkennt, dass er in diesem Familiendrama selbst eine wichtige Rolle spielt und ist bereit, sie ins Positive zu wenden. Elmas wiederum lässt die Kinder gewähren und stellt die Gleise in ihrem Leben neu – als Voraussetzung dafür, dass die Familie wieder zusammenfindet.
Zum anderen aber eskalieren trotz solcher konstruktiven Elemente die Auseinandersetzungen wiederholt so sehr, dass man Mord und Totschlag befürchtet. Zum Hass ihres Sohnes gesellt sich bei Elmas eine ebenfalls sprachlose Emotionalität, die wiederholt ziemlich fragwürdig erscheint. Warum Sözen seine Figuren so dramatisch und theatralisch werden lässt, erschließt sich inhaltlich nicht wirklich, denn die Charaktere machten anfangs nicht den Eindruck, als könnten sie nicht miteinander kommunizieren. Auch die Rolle, die das Bordell und sein Besitzer in der Geschichte einnehmen, wirkt ein wenig weit hergeholt. Insgesamt also überzeugt das Drama nicht auf der ganzen Linie, beweist aber dennoch immer wieder, dass es seine Figuren auch ernst nehmen und spannend erzählen kann.

Fazit: Das im türkisch-deutschen Milieu angesiedelte Familiendrama wirkt manchmal grell und übertrieben, dann wieder feiner beobachtet. Die Botschaft von Versöhnung und Zusammenhalt kontrastiert auf spannende Weise mit dem Eskalationsgrad der Konflikte.





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