VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Manuscripts Don't Burn
Manuscripts Don't Burn
© Kino Lorber

Kritik: Manuscripts Don't Burn (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auf der Berlinale 2015 erhielt der iranische Regisseur Jafar Panahi den Goldenen Bären für seine Fake-Dokumentation "Taxi Teheran". Diese Auszeichnung ist auch als eine Anerkennung des gewitzten Wagemuts des Filmemachers zu verstehen, der trotz Berufsverbot einen Weg gefunden hat in seinem Land einen Film zu drehen, der einen sehr kritischen Blick auf den Iran wirft. Während Panahi in "Taxi Teheran" eher indirekt Kritik ausübt, ist sein Landmann und Filmemacher-Kollege Mohammad Rasoulof in "Manuscripts Don’t Burn" absolut unverblümt und unerbittlich in seiner Aussage. So konnte Rasoulof nicht zur Premiere seines Films anreisen, die 2013 in Cannes stattfand, da ihm kurz zuvor im Iran sein Pass abgenommen wurde. Wenn man in seinem auf wahren Begebenheiten fußenden Film sieht, wie im Iran mit Regimekritikern umgegangen wird, ist es selbsterklärend, weshalb am Ende des Films statt der Namen der am Dreh Beteiligten nur Musik vor einem schwarzen Bildschirm erklingt. Umso erstaunlicher, dass der Großteil der Filmaufnahmen heimlich direkt im Iran stattgefunden hat.

Bei den Bildern in "Manuscripts Don’t Burn" handelt es sich überwiegend um gänzlich schmucklose Nahaufnahmen. Zusammen mit den durchgängig sehr guten Schauspielern erzeugt das Thrillerdrama einen starken Realismus, das den Zuschauer oft vergessen lässt, dass er sich hier gerade einen Film ansieht. Zu diesem Eindruck trägt auch die Art bei, wie Rasoulof diese Geschichte erzählt. Nicht nur arbeitet er mit einer Anfangs nur schwer zu durchschaubaren Struktur. Er lässt zudem zahlreiche Gewaltspitzen bewusst aus und widmet sich stattdessen in aller Ausführlichkeit den in gewöhnlichen Genrefilmen vernachlässigten Nebenhandlungen. So zeigt er, wie Morteza und Khosrow in ein Teehaus gehen, um die Zeit zwischen zwei "Aktionen" zu überbrücken. Was dabei sichtbar wird ist eine große Banalität des Grauens. In Verbindung mit der auf einer gnadenlosen Logik basierenden Planung der Einsätze wird die ganze Perfidität dieses Systems offenbar. "Taxi Teheran" ist gewissermaßen noch eine Regimekritik light, die häufiger zum Schmunzeln anregt. Dahingegen ist "Manuscripts Don’t Burn" von einer gewaltigen Wucht und Eindringlichkeit die unmissverständlich deutlich macht, dass es im Iran für Regimekritiker absolut nichts zu lachen gibt. Ein sehr starker Film.

Fazit: Im Gewand eines spannenden Thrillerdramas legt der iranische Filmemacher Mohammad Rasoulof eine Regimekritik von großer Eindringlichkeit vor, die den Betrachter in sprachloser Betroffenheit im Kinosessel zurücklässt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.