VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Die unerschütterliche Liebe der Suzanne (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Katell Quillévéré ist die Regisseurin des gefühlsintensiven Familiendramas "Suzanne", die hiermit ihre zweite Regie-Arbeit vorlegt. Auch am Drehbuch schrieb sie mit. Mit der Besetzung von Sara Forestier und Adèle Haenel als ungleiches Geschwisterpaar beweist Quillévéré ein goldenes Händchen und ein ausgezeichnetes Gespür für die Fähigkeiten ihrer Darsteller. Ihr gelingt mit "Suzanne" ein tiefsinniges Drama über eine junge, überforderte Mutter und gleichsam über die großen Fragen des Lebens. Der Film ist gelungen und hat bärenstarke Momente, wird aufgrund seiner Zeitsprünge und der daraus folgenden elliptischen Erzählweise so manchem Zuschauer jedoch Probleme bereiten.

Die große Stärke von "Suzanne" ist das ausgezeichnete, komplexe Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen Sara Forestier und Adèle Haenel. Vor allem Forestier mit ihrer berührenden Darstellung der resoluten aber überfordernden Titelfigur überzeugt, die versucht, ihre Kleinfamilie aus den Krisen des Lebens zu befreien. Suzanne ist zwar eine etwas chaotische Person, spontan und ein wenig verschroben im Charakter, aber stets sympathisch. Diese Wirkung auf den Zuschauer ist der Natürlichkeit von Forestier zu verdanken. Dabei verliert Regisseurin Quillévéré aber nie die anderen wichtigen Figuren des Films aus den Augen, vor allem Suzannes Schwester und ihren Vater erhalten genug Raum, um auch deren Leben in ausreichendem Maße erzählerisch in den Film einzubauen.

Zudem fällt auf, dass "Suzanne" ohne besonders viel Dialog und gesprochenes Wort auskommt. Dies ist für ein französisches Drama durchaus ungewöhnlich, vermitteln die Franzosen in ihren Filmen doch nicht gerade selten Emotionen, Meinungen und Fantasien über die Sprache. Hier stehen jedoch ganz klar kleine Gesten und die nonverbale Kommunikation der Beteiligten im Zentrum. Weniger günstig ist hingegen die sprunghafte, elliptische Erzählform. Bereits nach wenigen Minuten des Films hat Suzanne bereits ihre Kindheit und Jugend hinter sich gelassen und die erwachsene Suzanne betritt die Bühne. Wenige Augenblicke später ist sie bereits schwanger und wieder 10 Minuten darauf zeigt der Film sie schon als Mutter des kleinen Charlie. Dass die Jahre vergehen und der Film immerhin einen Zeitraum von 25 Jahren umspannt, lässt sich noch am ehesten an der optischen Veränderung des Vaters im Laufe der Zeit ausmachen. Mit diesem Prinzip der Auslassung und des Lückenhaften gibt die Filmemacherin dem Zuschauer die Möglichkeit, die fehlenden Jahre sowie die Ereignisse darin selbst gedanklich zu spinnen. Das ist gut gemeint, sorgt aber auch immer wieder für Verwirrung und zu große Löcher in der Handlung.

Fazit: Gut besetztes, tiefgreifendes Familiendrama mit inhaltlicher Tiefe, dessen sprunghafte Erzählweise nicht jeden Zuschauergeschmack treffen wird.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.