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Jappeloup - Eine Legende
Jappeloup - Eine Legende
© Koch Media

Kritik: Jappeloup - Eine Legende (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Wallach Jappeloup und sein Reiter Pierre Durand bildeten in den 1980er Jahren das französische Dreamteam im Springreiten. Obwohl Durand eine Vielzahl von Medaillen auf internationalen Turnieren gewann, verlief seine Sportkarriere alles andere als glatt. Aus diesem dramatischen Stoff schrieb Hauptdarsteller Guillaume Canet, der auch ein erfahrener Springreiter ist, ein Drehbuch, das mit vielen fiktiven Inhalten angereichert ist. Insofern ist die Regiearbeit des Frankokanadiers Christian Duguay kein Biopic im engeren Sinne, aber auf jeden Fall ein aufregendes und auch optisch sehr ansprechendes Sportdrama.

Der Film beginnt in Pierre Durands Kindheit in den 1970er Jahren und endet nach den Olympischen Spielen 1988. Er nimmt sich also Zeit, um die wechselhaften Etappen eines Sportlerlebens auszuloten. Pierre möchte als junger Mann Jurist werden, weiß aber, wie sehr er damit den Vater enttäuschen würde, der ihn so lange im Reitsport gefördert hat. Die Beziehungen in der Familie und seine Ehe mit Nadia (Marina Hands) spielen in diesem sehr glaubhaft inszenierten Drama eine zentrale Rolle: Pierres Alltag und seine Turniere sind immer eine Angelegenheit, die die Eltern und die Ehefrau als Unterstützer und Begleiter selbstverständlich mit einbeziehen.

Canet stellt Pierre als komplizierten Charakter dar: Er zweifelt oft, überlegt viel und entscheidet sich wieder um. Bei Turnieren fällt er als ausgesprochener Hitzkopf auf, der hohe Risiken eingeht, um zu siegen. Besonders bitter ist für Pierre, dass sein Pferd lange Zeit höher im Kurs steht als er selbst: Er muss sich anhören, vor allem wenn etwas schiefgeht, dass er zu untalentiert ist, um dieses hochklassige Tier optimal zu reiten. Pierre macht einen mühsamen inneren Reifeprozess durch und lernt, sein eigenes Temperament zu zügeln. Dass dies nicht sentimental abläuft, ist das Verdienst Canets, der Pierre mit introvertierter Nüchternheit ausstattet und nicht als Kamerahelden auslegt. Auch die Beziehung zu Jappeloup ist rein auf den Reitsport beschränkt: Das Pferd muss keine Gefühle kommunizieren und sich auch keine emotionalen Ansprachen anhören.

Der Film profitiert enorm davon, dass sich Canet und Duguay – ein früheres Mitglied der kanadischen Reitnationalmannschaft – in der Materie auskennen. Die großen Turniere sind geradezu atemberaubend spannend inszeniert. Die Einmaligkeit des Moments wird dabei immer wieder wirkungsvoll in Zeitlupe betont. Die visuelle Gestaltung punktet außerdem mit den schönen, vom Dunst wie weichgezeichneten Landschaftsaufnahmen in der französischen Provinz, wo Pierres Familie lebt.

Fazit: Der französische Spielfilm über das legendäre Springpferd Jappeloup und seinen Reiter Pierre Durand ist ein überaus gelungenes, fundiertes Sportdrama mit einer sorgfältig austarierten Mischung aus Sachlichkeit und Emotion.




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