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Les Salauds  - Dreckskerle
Les Salauds - Dreckskerle
© Real Fiction

Kritik: Les Salauds - Dreckskerle (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die französische Regisseurin Claire Denis präsentiert mit "Les Salauds – Dreckskerle" einen verworrenen Thriller, der lose auf Akira Kurosawas "Die Bösen schlafen gut" aus dem Jahr 1960 basiert. Marco, der rettende Held, kommt als Kapitän zurück an Land und findet dort überall Abgründe vor. Er gibt alles, um seiner Nichte und seiner Schwester zu helfen, muss aber erkennen, dass sie sich selbst dagegen sperren.

Glückliche Familien kennt diese zutiefst düstere Geschichte nicht. Selbst der geschiedene Marco sieht seine Töchter nur, wenn sie auf Besuch kommen. Im Krankenhaus sagt ihm der Arzt, der seine Nichte behandelt, dass sie schwere Verletzungen an der Vagina hat. Seine Schwester sieht in Laporte den Täter: "Dieser Dreckskerl hat sie zu seinem Sexobjekt gemacht!" Am Anfang sah man Justine nackt, in Highheels durch die nächtlichen Straßen gehen. Würde der Film aber nur von einem Perversen handeln, müsste er für seinen Titel nicht die Mehrzahl verwenden. Dreck am Stecken haben etliche Protagonisten, wenn nicht sogar alle. Raphaëlle gibt Marco die Schuld daran, dass Laporte ihr den Sohn wegnimmt. Tatsächlich scheint es, als hätte Marco sie nur benutzt, um mehr über den Mann zu erfahren, an dem er sich rächen will. Und wieviel weiß Raphaëlle selbst über den Mann, dem sie ihr mütterliches Glück verdankt?

Der Thriller ist wahrhaftig ein Film noir, weil er tief in die Abgründe einer korrumpierten Gesellschaft eintaucht, Dinge an die Oberfläche holt, vor denen jeder die Augen verschließen will. Das Motiv der Nacht ist allgegenwärtig. Für Zeitsprünge, Erinnerungen oder Visionen verlässt der Film den linearen Erzählfluss genauso unvermittelt, wie er zu Nebenschauplätzen führt, die unergiebig bleiben. Wie Marco zerbricht man sich den Kopf und verirrt sich im Dunkeln.

Die Atmosphäre ist depressiv-morbide, liefert sich dem verstörenden Thema aus. Ein ständiger Strom schmerzlicher und bedrohlicher Klänge zieht die Geschichte mit wie ein Boot auf dem Wasser. Man geistert durch einen Traum, mit dem der Verstand nie ganz Schritt halten kann. Das wirkt bedeutungsschwanger und auch enttäuschend: Denn von einem Thriller erwartet man zielgerichtete Spannung. Und wenn der Held scheitert, dann nur, weil er sich vorher berechtigte Hoffnungen auf Erfolg machen konnte. Marco aber bleibt als Identifikationsfigur schwach, wird vom düsteren Szenario mitgerissen: Wäre er nicht Kapitän geworden, so lässt sich sogar mutmaßen, hätte ihn die Dunkelheit von Paris womöglich schon früher eingeholt.

Fazit: Der düster-morbide Thriller taucht tief in familiäre und gesellschaftliche Abgründe, wirkt aber bedeutungsschwanger und lässt zu vieles im Unklaren.





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