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Kritik: The Happy Sad (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zehn Jahre es nun her, dass der Filmemacher Rodney Evans sein viel beachtetes Queer-Debüt "Brother to Brother" vorlegte, mit dem er beim Sundance Film Festival den Spezialpreis der Jury und zahlreiche andere Filmpreise gewinnen konnte. Ebenso einfühlsam wie sein Debüt inszenierte Evans nun seinen neuesten Film, "The Happy Sad", der mit einer starken Ensemble-Leistung punktet. "The Happy Sad" streift die Themen Homo- und Bisexualität sowie sexuelle Selbst- und Persönlichkeitsfindung. Entstanden ist ein klug inszeniertes Großstadt-Drama. Das emotionale Chaos der Protagonisten verwirrt zwar ab und an nicht nur die beteiligten Personen sondern auch den Zuschauer, "The Happy Sad" ist dank der überzeugenden Schauspieler insgesamt aber dennoch sehenswert geraten.

Zwei Paare unterschiedlicher Hautfarben und Konstellationen stehen im Zentrum des gefühlvollen Liebes-Dramas. Da ist das farbige Männer-Paar bestehend aus Aaron und Marcus, das sich innig liebt, aber sich der Wirkung anderer Männer durchaus bewusst ist und deshalb beschließt, die Beziehung lockerer und offener zu gestalten. Auf der anderen Seite steht der charismatische Musiker Stan, der gerade erst von seiner Freundin sitzen gelassen wurde und kurz darauf mit Aaron eine leidenschaftliche homosexuelle Beziehung eingeht. Das Gefühlschaos der beteiligten Protagonisten ist gleichzeitig auch das größte Problem des Films. Für den Zuschauer ist es mitunter nämlich schwer zu differenzieren, wer denn jetzt eigentlich wen liebt, wer mit wem ins Bett geht und welche Gefühle echte, wahrhaftige Gefühle sind. Die Verwirrung wird spätestens dann perfekt, wenn Annie eben nicht wegen einem anderen Mann sondern wegen den Gefühlen zu einer Frau die Beziehung mit Stan beendet.

Das alles ist doch ziemlich konfus und auch nicht immer hundertprozentig glaubwürdig. Dass "The Happy Sad" dennoch gelungen ist, liegt neben dem griffigen, passenden Soundtrack der Band "The Whiskey Collection" vor allem an dem authentischen Spiel der Darsteller. Für die leichte Verwirrung beim Zuschauer ob des emotionalen Chaos können sie nämlich nichts, das ist einzig dem Drehbuch geschuldet. Nein, alle vier Hauptpersonen sind glaubhaft gestaltet und werden realitätsnah verkörpert. Im Großstadt-Leben des Jahres 2014 sind die heutigen Twenty- und Thirtysomethings nun einmal ständigen (sexuellen wie emotionalen) Reizen ausgesetzt und nicht nur die vier jungen Menschen auf der Leinwand müssen sich die Frage stellen: was ist mehr wert, ein aufregendes, von sexuellen Abenteuern geprägtes Leben oder eine feste, stabile Beziehung? Beide Paare müssen eine Entscheidung treffen, die nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben der anderen maßgeblich beeinflussen wird.

Fazit: Das starke Darsteller-Ensemble und die gefühlvolle Inszenierung machen das emotionale und sexuelle Chaos auf der Leinwand vergessen. Sehenswertes Großstadt-Liebedrama.





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