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Zero Killed
Zero Killed
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Zero Killed (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Zero killed" beruht auf Kosakowskis eigenem Kunstprojekt "Fortynine", mit dem er Mitte der 90er-Jahre begann. Für dieses Projekt befragte er Freunde und Bekannte, vom Postboten bis zum Schüler, nach ihren ganz persönlichen Mordgedanken oder danach, wen sie in ihren Vorstellungen schon einmal wie umgebracht oder gefoltert haben. Kosakowski machte sich anschließend daran, die geschilderten Fantasien in kurze Videofilme umzusetzen, mit einer einzigen Bedingung: die Freunde und Bekannten des Regisseurs mussten alle selbst in den jeweiligen Videos mitspielen – als Opfer oder als Täter. Herausgekommen sind schockierende, zwar gestellte, in ihrer Wirkung aber dennoch radikale und erschütternde Kurzfilme. Für seinen Film "Zero killed" konfrontierte Kosakowski seine früheren Protagonisten mit den damaligen Videos, mit dem Ziel, herauszufinden, wie sie zu ihren gestellten Taten standen, aktuell stehen und diese moralisch bewerten.

"Zero killed" vermengt seine beiden Zutaten – die fiktiven Amateurfilme über die Rache- und Mordgedanken der Befragten und die Jahre später geführten Interviews mit selbigen – zu einem erschütternden filmischen Trip in die geheimen Fantasien ganz normaler Menschen mit zum Teil schockierenden Aussagen und Erkenntnissen. Am stärksten wirken hier freilich die Kurzfilme nach, in denen zu sehen ist, wie der Normalbürger zur Mordmaschine wird und wie er, mal aus Langeweile, mal aus Rache oder aus reinem Sadismus und Abscheu anderen gegenüber, mordet. Darüber hinaus konfrontiert Kosakowski seine Interviewpartner mit weiteren heiklen Fragen und gesellschaftlichen Tabus. So will er z.B. wissen, wie sich Eltern dem potentiellen Mörder ihrer Kinder gegenüber verhalten würden oder ob die Todesstrafe nicht doch eine sinnvolle "Säuberungsmethode" sei, um dem Staat die Kosten für Unterbringung und Pflege der Todeskandidaten zu ersparen.

Dies ist die eine große Stärke des Films: Kosakowski scheut sich nicht, unangenehme und problematische Fragestellungen aufzuwerfen und damit auch den Zuschauer zu zwingen, sich selber mit diesen Aspekten auseinanderzusetzen. Das zweite Plus: Alle Protagonisten vermitteln einen authentischen Eindruck. Sie zeigen sich beim Beantworten der Fragen und den Bewertungen der "Mordvideos" ehrlich und offen und bilden zudem einen adäquaten, bunten Querschnitt der Bevölkerung hinsichtlich Beruf, Bildung und sozialem Hintergrund. Dies verleiht "Zero killed" eine glaubwürdige, wahrhaftige Note. Die bestürzende Quintessenz des Films: das Böse, die Fähigkeit zum Auslöschen des Lebens eines Anderen, steckt in jedem von uns.

Fazit: Provokative, spannend umgesetzte filmische Versuchsanordnung über die Frage, was Menschen zu kaltblütigen Mördern werden lässt einschließlich deren moralischer Bewertung.





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