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Verbotene Filme
Verbotene Filme
© Salzgeber & Co

Kritik: Verbotene Filme - Das verdrängte Erbe des Nazi-Kinos (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Doku-Filmer Dr. Felix Moeller geht in seinem neuen Film der Frage nach, wie wir heute am besten mit diesem filmischen Erbe umgehen sollten und wie diese Werke heute, nach so vielen Jahren, auf das Publikum wirken. Ist der gesellschaftliche Umgang mit den Propagandawerken noch zeitgemäß? Sollte nicht langsam ein Umdenken stattfinden? Und: Wie reagieren Betroffene, gegen die sich die Propaganda einst richtete, heute auf diese Filme? Dies alles sind Fragen, auf die der Film Antworten zu geben versucht. "Verbotene Filme" ist eine hochaktuelle, spannende Doku über die ebenso komplizierte wie dringliche Frage: Sollten Propagandafilme aus dem Dritten Reich heute öffentlich zugänglich gemacht werden oder nicht?

Die Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Eine umfassende, letztendlich eindeutige Antwort auf diese Frage bzw. Lösung des Problems gibt der Film dabei nicht. Die Thematik ist komplex und hochsensibel und vor allem in Deutschland, im Land der "Täter", bedarf es Fingerspitzengefühl und extremer Vorsicht beim Umgang mit diesem Thema. Moeller gibt hier zunächst einmal einen Überblick über einige der betroffenen Werke, so zeigt er den ganzen Film hindurch immer wieder beispielhaft Ausschnitte und Szenen aus solch unterschiedlichen Werken wie "Jud Süß", "Ohm Krüger", "Ich klage an" oder "Kolberg". Hier drängt sich manches Mal der Eindruck auf, Moeller habe die Ausschnitte zu willkürlich gewählt, jedoch zeigen seine Szenen auch allzu deutlich und erschreckend, wie subtil und perfide die Nazis versucht haben, ihre menschenverachtenden Ideologie anhand filmischer Mittel zu verbreiten und das Publikum zu indoktrinieren.

Zwischen den Szenen lässt Moeller immer wieder Experten und solche Leute zu Wort kommen, die sich beruflich mit diesem schweren filmischen Erbe befassen, wie z.B. Rainer Rother, Leiter der Deutschen Kinemathek in Berlin, den Historiker Götz Aly oder auch den Filmemacher Oskar Roehler. Die Ansichten der Experten unterscheiden sich dabei deutlich voneinander, von der Forderung nach Freigabe für die Öffentlichkeit bis hin zum weiteren Verbot der Werke. In einem sind sich die Experten jedoch einig: in der Notwendigkeit einer kontextlichen Einordnung, also einer wissenschaftlichen Begleitung der Filme.

Diese Ansichten vertritt auch das Publikum, denen Moeller einige der Werke vorgeführt hat, sei es in München, Paris oder Jerusalem. Moeller konfrontierte also ganz bewusst auch die Menschen mit den Filmen, gegen die sie sich einst richteten. Die Reaktionen darauf sind bisweilen überraschend aber stets hochinteressant. Diese Art der Annäherung an das Thema stellt die größte Stärke von "Verbotene Filme" dar.

Fazit: Spannende, brisante und hochaktuelle Doku, die sich mit der Frage befasst, wie wir heute mit Nazi-Propagandawerken am besten umgehen und ob diese Filme der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.




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