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Kritik: Transmitting (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Musik-Dokumentation "Transmitting" von Filmemacher Christoph Hübner begleitet drei Jazz-Musiker völlig unterschiedlicher Herkunft auf deren musikalischer Entdeckungsreise durch Marokko, um die CD "Voodoo Sense" einzuspielen. Der Regisseur folgte seinen drei Protagonisten für sein musikalisches Tagebuch auf Schritt und Tritt und lässt den Zuschauer so ganz unmittelbar und intensiv am Entstehungsprozess des Projektes teilhaben. Ein Großteil des Films zeigt die drei Musiker beim gemeinsamen Musizieren, entweder zu Dritt im gemieteten Tonstudio, oder mit der Schar an Gastmusikern, die am gemeinsamen Album mitwirken. Beobachtet man Kühn, Lopez und Bekkas bei den intensiven Aufnahmen im Tonstudio in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, wird schnell deutlich, dass es sich um echte Könner ihrer Zunft handelt. Jeder der drei Musiker zeichnet sich durch exzellente Fähigkeiten an seinem Instrument aus. Nicht umsonst gilt z.B. Joachim Kühn als einer der wenigen deutschen Weltstars des Jazz. Mit dem Projekt wollen die Musiker eine ganz neue Spielart des Jazz kreieren. Es geht Ihnen um die Fusion von Jazz und nordafrikanischer Volksmusik. Ein Highlight des Films: Wenn die Drei traditionelle Trommlergruppen in der Wüste besuchen, deren Musik sie später in ihre Aufnahmen einbauen.

An dieser Stelle trifft Tradition auf Avantgarde, Improvisation tritt in Interaktion mit über Jahrhunderte gewachsener musikalischer Überlieferung. Man kann durchaus sagen, dass sich hier zwei völlig unterschiedliche Musik-Sprachen begegnen - europäischer Jazz auf der einen und afrikanische Rhythmik auf der anderen Seite. Das Zusammentreffen, das Kollidieren dieser beiden Welten, zeigt "Transmittting" authentisch und ungeschminkt. Auch, wenn es beim Musizieren und im Tonstudio z.B. wegen kreativer Blockaden mal nicht so gut läuft. Darüber hinaus macht der Film deutlich, wie neue, kreative Musik entstehen kann und wie die Musik in der Lage ist, Brücken zu anderen Kulturen zu bauen. Zwischen all diesen Aufnahmen und Studio-Impressionen baut Hübner immer wieder lange Einstellungen der weiten, marokkanischen Steppe und Landschaft mit ein. Dadurch bekommt der Film eine mystische, melancholische Note. Auch eine Szene, die im Gedächtnis bleibt: Wenn sich im zweiten Drittel des Films die Studio- und Gast-Musiker zusammenfinden und eine mehrminütige Improvisations-Szene anläuft, die auf nachdrückliche Weise verdeutlicht, wie sich experimentierfreudiger Free Jazz auf höchstem Niveau heute anhören kann.

Fazit: Faszinierender musikalischer Trip in die Welt des Jazz, der hier eine unwiderstehliche Melange mit nordafrikanischer Volksmusik eingeht.




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