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Kritik: Bekas (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Bekas" ist ein Roadmovie für Kinder aus einem fernen, von Krieg und Unfreiheit gezeichneten Land. Der aus dem irakischen Kurdistan stammende Regisseur Karzan Kader, der in Schweden lebt, floh 1988 selbst als Kind mit seiner Familie unter abenteuerlichen Bedingungen aus dem Land. In seinem zwei Jahre später, zu Beginn des zweiten Golfkriegs, angesiedelten Film, wollen zwei verwaiste Brüder ohne Dach über dem Kopf ihrer bitteren Armut entfliehen. Sie sehnen sich nach einem rettenden Superhelden, der sie beschützt und den Diktator und seine Soldaten aus dem Land jagt. So wird Supermans Heimat Amerika für Zana und Dana zum Sehnsuchtsort, zum Symbol einer idealen Welt.

Den als Abenteuer aus der naiven Perspektive der beiden Kinder konzipierten Film kennzeichnen zwei gegensätzliche Ebenen. Zum einen geht es um die Erlebnisse der Brüder und die Prüfungen, die sie in einer Mischung aus Kühnheit und Witz bestehen. Zum anderen sticht vor dieser Unschuld der Ernst der Wirklichkeit nur umso schärfer hervor. Zana und Dana kommen in Situationen, die nur allzu oft mit dem Tod oder Verstümmelung enden: Auf dem freien Feld liegen Tretminen, und um einen militärischen Kontrollpunkt zu passieren, hängt sich der Sechsjährige unter einen Lastwagen und klammert sich dort während der Fahrt über holprige Straßen verzweifelt fest.

Im Mittelpunkt dieser ereignisreichen Odyssee steht die Beziehung der beiden Brüder. Sie streiten sich oft und stellen doch immer wieder fest, wie sehr sie aneinander hängen. Zeitweise verlagert der Ältere sein Interesse auf ein Mädchen, obwohl der Jüngere ihn warnt: "Lass sie in Frieden, du weißt nichts über Liebe!" Der Ton des Roadmovies bleibt unbeschwert und optimistisch. Deswegen setzt der Film sehr stark auf den witzigen Effekt solcher Dialoge aus Kindermund. Oft wirken Zana und Dana übertrieben naiv, anrührend oder treuherzig. Diese Erzählweise ist für hiesige Gewohnheiten etwas irritierend, wie auch der grobe Umgang vieler Erwachsener mit den Kindern. Dennoch strahlt die Figurenzeichnung nicht nur der beiden Brüder oft etwas sehr Liebevolles aus. Sie wirkt dann wie eine Hommage des Autors und Regisseurs an seine Heimat. Aus der Sicht eines Insiders bekommt man so Einblicke in einen Kulturkreis, über den hierzulande nicht viel bekannt ist.

Fazit: Zwei kurdische Waisenjungen beschließen, dem Irak des Jahres 1990 den Rücken zu kehren und nach Amerika zu Superman zu ziehen: Der ungewöhnliche Kinderfilm entfaltet vor einem prekären realen Hintergrund ein humorvolles, aus naiver Perspektive erzähltes Abenteuer, das Einblicke in einen anderen Kulturkreis bietet.




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