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Kritik: Spirit Berlin (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Berlin ist bekannt für seine multikulturelle Vielfalt und dafür, den verschiedensten Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und sexueller Orientierung eine Heimat zu geben. Als bunte, weltoffene Metropole mit kultureller Mischung steht die deutsche Hauptstadt längst auf einer Stufe mit Weltstädten wie Paris oder London. So gibt es viele Filme, die sich dieses Themas bereits angenommen haben und diese Facette dokumentarisch aufarbeiten. Weniger bekannt ist hingegen die spirituelle Seite der Stadt.

Die Regisseurin Kordula Hildebrandt schickt in ihrer Dokumentation "Spirit Berlin" den jungen Schauspieler Stefan in den Großstadtdschungel, um jenen, weitgehend unbekannten Aspekt von Berlin zu ergründen. "Spirit Berlin" ist eine interessante filmische Reise auf der Suche nach Ruhe, innerem Frieden und spiritueller Selbsterfahrung, die eine Vielzahl an mannigfaltigen Ansätzen und Lebensformen vorstellt. Voraussetzung ist, dass man sich auf das schwer greifbare Thema einlässt und sich nicht an der stakkatohaften Aneinanderreihung der dargestellten Lebensweisen stört. Und das zusätzlich eingebaute Lovestory-Element ist ohnehin überflüssig.

Die Hauptfigur des Films, der junge und erfolglose Schauspieler Stephan (verkörpert von Stephan Ziller, der sich quasi selbst spielt), ist ein sympathischer, leicht verwirrter und ab und an etwas benebelt wirkender Zeitgenosse, mit dem eine Identifikation nicht allzu schwer fällt. Insofern gelang es Regisseurin Hildebrandt, für ihr doch recht komplexes Themengebiet einen Protagonisten zu finden, mit dem sich sicher viele Zuschauer auf Augenhöhe wähnen. Das sorgt dafür, dass man Stephan bereitwillig und interessiert auf seiner Entdeckungsreise durch das spirituelle Berlin folgt. Schon gleich zu Beginn fügt Hildebrand eine romantische Note mit ein, wenn Stephan auf die attraktive Yoga-Lehrerin Simone trifft, in die er sich recht schnell verguckt und die ihn folglich auch auf seiner Reise begleitet. Dieses eingeflochtene romantische Element wirkt wie ein unnötiger Fremdkörper in einem Film, der sich selber ja als Dokumentation sieht. Eine Dokumentation sollte von solch einem wohl ganz offensichtlich gescripteten, fiktiven Bestandteil eigentlich befreit sein, da die Lebenswirklichkeit dadurch nicht mehr exakt abgebildet wird.

Weiterhin bedarf es großer Offenheit, sich mit diesem Thema näher auseinanderzusetzen, was dem Film möglicherweise ein allzu großes Zielpublikum verwehrt. Lässt man sich aber darauf ein, wird man mit einer ganzen Reihe an unterschiedlichsten Ansätzen konfrontiert bzw. "testet" Protagonist Stephan viele spirituelle Angebote selbst aus: von ausgedehnten Yoga-Workshops, dem schwierig zu erlernenden, hinduistischen Krishna-Tanz, tantrischen Riten oder dem Besuch von Ashrams, also klosterähnlichen Meditationseinrichtungen. Von vielen Glaubensformen werden die Meisten noch nichts gehört haben, lehrreich und informativ sind die Inhalte also allemal. Gut ist zudem, dass Regisseurin Hildebrandt hier nicht suggeriert, jede dieser individuellen Richtungen, die manchmal zu fix aneinandergereiht und abgearbeitet werden, würde für die schnelle und sichere Erlösung bzw. den inneren Seelenfrieden und Ausgleich sorgen.

Fazit: Lehr- und facettenreiche Dokumentation mit einer greifbaren Hauptfigur, die eine Identifikation ermöglicht. Die Lovestory-Note hätte es jedoch nicht gebraucht.





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