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Airstrip - Aufbruch der Moderne, Teil III
Airstrip - Aufbruch der Moderne, Teil III
© Filmgalerie 451 & Heinz Emigholz

Kritik: Airstrip - Aufbruch der Moderne, Teil III (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Heinz Emigholz zählt zu den versiertesten Architektur-Kennern der Gegenwart. Bereits seit den frühen 70er-Jahren befasst er sich vornehmlich filmisch mit bestimmten Architekten oder Bauwerken einzelner Epochen, die er ins Zentrum seiner Filme rückt. Wichtig ist für Emigholz dabei auch immer die Frage, in welcher Beziehung der Architekt zu seinem Kunstwerk steht. Darüber hinaus ist er aber auch Autor, Produzent, gelernter Zeichner und Fotoretuscheur, der in Hamburg schließlich Philosophie und Literaturwissenschaft studierte. Seine neueste Dokumentation, "The Airstrip", ist zugleich der 21. Teil der seit 40 Jahren bestehenden Reihe "Fotografie und Jenseits" sowie das Ende seiner Trilogie "Aufbruch in die Moderne". Die ersten beiden Teile waren "Parabeton - Pier Luigi Nervi und römischer Beton" sowie "Perret in Frankreich und Algerien", die 2012 erschienen. "Airstrip" ist eine anspruchsvolle, vor allem für Kunst- und Architektur-Kenner geeignete Doku, die Laien mit großer Wahrscheinlichkeit überfordern wird.

Seine Premiere erlebte "Airstrip" bei der diesjährigen Berlinale in der Sektion "Forum", die sich vornehmlich experimentellem Arthouse-Kino widmet. Wie schon in den beiden vorherigen Filmen der Trilogie befasst sich Emigholz auch bei "Airstrip" in erster Linie mit der Wirkung der architektonischen Moderne auf unserer Gegenwart sowie unseren Alltag. Um Beispiele für die verschiedenen Arten und Stilepochen der Architektur-Geschichte vor die Kamera zu bekommen, reiste Emigholz einmal um die ganze Welt, von Berlin, Rom und Paris über Mexico-City und Buenos Aires bis nach Tokyo und San Francisco. Er suchte die unterschiedlichsten Bauten aus den verschiedensten Jahrzehnten auf, um die Architektur-Epochen sowie deren wechselhafte Wirkung auf die Menschen sichtbar zu machen.

Ein im Film präsentiertes architektonisches Meisterwerk ist z.B. der vom deutschen Bildhauer Reinhold Begas kreierte "Gefesselte Prometheus" in Berlin, zu finden im hinteren Bereich des Gebäudes der Akademie der Künste am Pariser Platz. Weitere Schauplätze von "Airstrip": das aus der Antike stammende "Pantheon" in Rom (das älteste im Film vorgestellte Bauwerk), das berühmte, mit einem Spitzdach ausgestattete Einkaufscenter "La Vache Noir" in Paris oder die "Parochialkirche" in Uruguay. Darüber hinaus bekommt der Zuschauer eine ganze Reihe weiterer prachtvoller, gewaltiger Bauten, Monumente, Lager- und Markthallen, Kirchen, Kathedralen, Autobahnen oder auch Flughäfen zu Gesicht, die eines deutlich machen: das Gebilde ist geprägt von seiner Zeit, den damals vorherrschenden Lebensumständen und - natürlich - dem Geiste seines Erfinders, des Architekten.

Wie so oft in Emigholz' Werken bleibt ein informierender, einordnender Off-Kommentar weitestgehend aus, was die Rezeption vor allem für Laien erheblich erschwert. Nicht jeder Zuschauer ist studierter Kunstgeschichtler oder Architektur-Kenner, aus diesem Grund richtet sich auch dieser Film an eine kleine Zielgruppe ernsthaft Kunst- und Kulturinteressierter. Negativ mutet an, dass die zumeist beeindruckenden Bilder üppiger und riesiger Bauwerke zwar schön anzusehen sind, jedoch auf Dauer auch langweilen (eine "echte" Handlung existiert ja nicht) und viel Durchhaltevermögen beim Zuschauer einfordern.

Fazit: Anspruchsvolle, kunstvoll gestaltete Doku, die ein ernsthaftes Interesse an der Thematik und viel Sitzfleisch voraussetzt.




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