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Kritik: Futuro Beach (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz lebt in Sao Paulo und Berlin. Auch die drei Protagonisten seines Films, der Rettungsschwimmer Donato, sein Bruder Ayrton und sein deutscher Freund Konrad erfahren den Kontrast zwischen Brasilien und der deutschen Hauptstadt. Der Aufbruch zu neuen Ufern und die dauernde Veränderung sind das Thema des Dramas, das sich um eine schwule Liebesbeziehung entfaltet. Aïnouz beschreibt den Film als "zeitgemäßes, intimes Melodram, das nur von männlichen Figuren bevölkert wird". Es gibt auch Frauenrollen im Film, aber sie kommen nur am Rande vor, der Blick ist vollkommen auf die männlichen Charaktere und ihre Wahrnehmung der Dinge gerichtet.

Inhaltlich ist die Geschichte sehr auf das äußere und innere Reisen zentriert, das Erkunden neuer Welten und das Herausfinden der eigenen Wünsche und Möglichkeiten. Sie ist in drei Kapitel gegliedert. Donato und Konrad finden am Praia do Futuro unter traurigen Umständen zueinander, dann folgt ein räumlicher Bruch, der ihre Beziehung vor neue Herausforderungen stellt. Denn in Berlin hat Donato niemanden außer Konrad, er ist oft krank und fühlt sich verloren. Trotzdem entscheidet er sich für das Ungewisse, das Abenteuer der Fremde. Dann folgt ein Zeitsprung von mehreren Jahren und der nun 18-jährige Bruder Ayrton taucht auf, um mit dem treulosen Donato abzurechnen. Sein Erscheinen gibt auch der mittlerweile aufgelösten Beziehung von Donato und Konrad neue Impulse, eine neue Aufgabe.

Visuell bestimmt der Kontrast der beiden Schauplätze die Atmosphäre: In Brasilien spielt sich das Leben unter dem blauen Himmel ab, der Ozean und seine Brandung sind wie eine archaische Quelle der Kraft für die Seele. In Berlin schneit es, die Landschaft entlang der Autobahn verschwindet im Nebel, Donato fühlt sich in nichtssagenden Innenräumen verlorener denn je. Was ihn hält, ist nur die Zweisamkeit mit Konrad. Die Kamera verliebt sich an beiden Schauplätzen auch gelegentlich in die männlichen Körper, ihre Spannkraft und angestaute Energie. Ein zentrales stilistisches Merkmal ist das minimalistische Ungefähre. Viele Szenen wirken unschlüssig, transportieren keine klare Botschaft, wirken wie Schritte auf einem Rastplatz, der kaum Orientierung oder Anregung bietet. Unter diesem verwaschenen, flüchtigen Stil leidet auch die Figurenzeichnung. Man kann sich in die Protagonisten nur bedingt einfühlen, so sehr behalten sie ihre Gefühle und Sehnsüchte für sich.

Fazit: Das verhaltene Drama über eine Männerbeziehung und den Aufbruch in ein fremdes Land lebt vom starken Kontrast der Schauplätze Brasilien und Berlin, vermittelt aber seine Eindrücke des Unbestimmten und Vergänglichen auf Kosten des Gefühls.





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