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Heute gehe ich allein nach Hause
Heute gehe ich allein nach Hause
© Salzgeber & Co

Kritik: Heute gehe ich allein nach Hause (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Fast fünf Jahre ist es her, dass Regisseur Daniel Ribeiro mit seinem Kurzfilm "Eu Não Quero Voltar Sozinho" die Aufmerksamkeit der einheimischen Kritiker auf sich zog. "Heute gehe ich allein nach Hause" ist nun der Langfilm, den Ribeiro aus seinem damaligen Kurzfilm gemacht hat, für den er zudem dieselben Darsteller für sich gewinnen konnte. Ghilherme Lobo, Tess Amorim und Fabio Audi spielten bereits im ersten Film die drei durch ihre Gefühle aufgewühlten Teenager. Seine Premiere feierte das Werk im letzen Jahr auf der Berlinale in der "Panorama"-Sektion und gewann dort umgehend den FIPRESCI-Preis.

"Heute gehe ich allein nach Hause" ist ein behutsam erzähltes, berührend-universelles Drama über das Erwachsenwerden und die Tücken der eigenen, pubertierenden Gefühlswelt. "Heute gehe ich allein nach Hause" ist bewusst nicht als oft typisches Coming-Out-Drama angelegt, in dem die Hauptfigur mit ihren Gefühlen ringt und erst viel Zeit braucht, um sich zu den eigenen, gleichgeschlechtlichen Neigungen zu bekennen. Leo stellt zu keinem Zeitpunkt seine Gefühle für den neuen Mitschüler in Frage, für ihn spielt das Geschlecht seiner Begierde keine Rolle. Vielmehr ist der Film ein ganz universelles, allumfassendes Werk über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens mit all ihren Hindernissen: der Kampf um Anerkennung bei Gleichaltrigen, das Abnabeln von den Eltern, das Streben nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.

Insofern spricht der Film alle an, die mit dem Thema Erwachsenwerden aktuell zu tun haben oder es in der Vergangenheit hatten: und das sind nun mal jegliche Zuschauer, was die Allgemeingültigkeit des Films unterstreicht. Eine Besonderheit macht aber natürlich auch die Tatsache aus, dass Hauptfigur Leo blind ist und daher auf andere Dinge Wert legt und achten muss als seine Mitmenschen: für ihn sind Berührungen und Gerüche entscheidend. Die Annäherung zwischen Leo und Gabriel schildert Regisseur Ribeiro unaufdringlich und sorgsam-gefühlvoll. Es vergeht eine Stunde, bis es zum ersten deutlichen, innigen Moment zwischen den Beiden kommt.

Fazit: Zärtliches, universelles Drama über die (emotionalen) Tücken des Erwachsenwerdens.






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