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Kritik: Pfarrer (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die beiden Regisseure, Chris Wright und Stefan Kolbe, sind Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg und drehten bisher fast ausschließlich Doku-Filme wie z.B. "Technik des Glücks (2003)", "Das Block" (2006) oder "Kleinstheim" (2010). In "Pfarrer" begleiten sie die angehenden Geistlichen auf den letzten Metern ihrer göttlichen Ausbildung: bei Seminaren und in der Kirche, von der Vikariats- bis zu Ordenszeit. Obwohl die Motivationen der Protagonisten nicht immer ganz klar werden und der Film mit seiner stakkato-artigen Kamera und Schnittarbeit manches mal verwirrt, ist den beiden Filmemachern Wright und Kolbe ein informatives, unterhaltsames Doku-Kleinod gelungen.

"Pfarrer" macht deutlich, dass am Anfang der Ausbildung vor allem das Handwerk an sich steht, dass die Auszubildenden in den ersten Wochen und Monaten lernen müssen, wie man richtig predigt, korrekt singt und den Ablauf eines Gottesdienstes problemlos beherrscht. Mit der Zeit aber, mit dem Vorüberziehen der Wochen und Monate, tauchen immer tiefgreifendere, essentiellere Fragen auf, mit denen sich die Geistlichen beschäftigen. Es geht um Fragen nach dem inneren Glauben, nach Gott, nach der Wahrheit, Tod, ein Leben nach dem Tod und dem eigentlichen Sinn des Lebens. Klinisch genau erforschen die Regisseure in "Pfarrer" das Hineinwachsen in den Beruf, aber auch in den Alltag der Gemeinden. Die geschilderten Äußerungen sind hochinteressant und sehr informativ.

Bei der Frage nach der Motivation für den Beruf bleiben manche der Auszubildenden eine klärende, abschließende Antwort jedoch schuldig. Manch einer antwortet, dass er sich "nichts anderes vorstellen kann", ein anderer findet es toll, dass "überall sonntags um zehn die Glocken läuten und alle dasselbe tun." Hier hätte man sich oft mehr Tiefe und Mut bei den Antworten gewünscht oder zumindest, dass die Filmemacher konsequenter nachfragen. Visuell kommt der Film, ganz dem Thema entsprechend, eher schwelgerisch und verträumt, fast meditativ daher. Er zeigt beruhigende Bilder von stillen Seen, von sich im Wind hypnotisch wiegenden Bäumen und idyllische Bilder von den hohen, mächtigen Mauern des Schulungsgebäudes. Was die stakkato-artige Schnittarbeit jedoch für einen Zweck erfüllen soll, wird bis zum Schluss nicht ganz klar. Außerdem kommen in manchen Gesprächen und Interviews erschreckend viele, überraschende Schnitte vor, die die Harmonie und Ausgewogenheit der Bilder stören.

Fazit: Meditativer, interessanter Einblick in die Ausbildung künftiger Pfarrer mit einer traumwandlerischen Bildsprache. Einzig die Schnittarbeit sowie die teilweise unbefriedigenden Antworten der Befragten trüben den Genuss ein wenig.





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