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Zoran - Mein Neffe, der Idiot
Zoran - Mein Neffe, der Idiot
© Movienet

Kritik: Zoran - Mein Neffe, der Idiot (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Regiedebüt des Italieners Matteo Oleotto ist eine köstlich schräge Komödie über ein ungewöhnliches Buddy-Gespann. Ein zynischer Trinker soll ein paar Tage auf seinen unbekannten Neffen aufpassen, der schüchtern und sonderbar wirkt. Weil er ein großes Darts-Talent ist, will der Onkel daraus Kapital schlagen. Außerdem merkt er, dass sich die Rolle des sorgenden Verwandten gut macht, um die Achtung seiner Ex-Frau zurückzuerlangen. So bewirkt die Anwesenheit des Neffen, dass der Onkel wieder neuen Antrieb bekommt. Aber es warten auch ein paar sehr unangenehme Wahrheiten auf ihn.

Die Geschichte streut wiederholt Fährten, die einem aus anderen Filmen vertraut vorkommen. Der schüchterne Neffe Zoran, den sein Onkel auf die Darts-Weltmeisterschaft in Schottland vorbereitet, wird sich dann wohl zum umjubelten Champion mausern. Stefania (Marjuta Slamič) lobt ihren Ex-Mann Paolo dafür, wie gut er mit Zoran umgeht – was sie leider nicht ganz richtig sieht. Und als sich dann ihr neuer Mann Alfie (Roberto Citran), der auch noch Paolos Arbeitgeber ist, als kleinlicher Pedant entpuppt, ahnt man, dass Paolo womöglich bald wieder glücklich mit Stefania vereint sein könnte. Und seine Integration ins Dorf, in welchem er immer alle Leute vor den Kopf stößt, könnte voranschreiten, weil es einen Chor gibt: Der Neffe singt dort, und laut Ernesto hat auch Paolo eine schöne Stimme... Aber in diesem Dorf im Friaul laufen die Dinge immer ein wenig anders als sonst auf der großen Leinwand, und die Charaktere müssen ihren eigenen Weg finden. Das tun sie mit viel trockenem Humor und ohne falsches Pathos.

Paolo ist ein ziemliches Scheusal, was sich auch in seiner Wortwahl klar manifestiert. Mit Zoran geht er also gar nicht zimperlich um, und auch sein Kollege Ernesto (Riccardo Maranzana), der stottert, wird von ihm beleidigt. So fällt Paolo aus allen Wolken, als sich das Blatt wendet und ihm die anderen einmal die Meinung sagen. Den Anfang macht indirekt Zoran, weil er sich so gepflegt ausdrückt, dass es schon fast provozierend wirkt. Die Dialoge sind herrlich witzig und lebensnah. Schon das Miteinander in der Taverne, wo sich gelangweilte Senioren und dauerbetrunkene Stammgäste für Zorans Dartkünste interessieren, entwickelt einen unwiderstehlichen Charme. Die Einleitung mit dem Monolog eines Trinkers ist eine wunderschön in Wort und Bild durchkomponierte kleine Episode für sich. Der Wein spielt im gesamten Film eine wichtige Rolle, denn es wird viel getrunken und sogar der brave Männerchor singt davon ein Lied: "Wasser ist für Beerdigungen (…) Wein treibt das Leben an." Es kommt eben auf die richtige Dosierung an, wie bei der Komik, die diesem Film so gut gelingt.

Fazit: Ein zynischer Trinker und sein schüchterner Neffe bilden ein herrlich schräges Gespann in dieser sympathischen Komödie aus der italienischen Provinz.




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