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Vielen Dank für nichts
Vielen Dank für nichts
© Camino

Kritik: Vielen Dank für nichts (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Filme über Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen und Einschränkungen gab es in den letzten Jahren zu Hauf, sowohl in Europa ("Ziemlich beste Freunde", "Hasta la Vista") als auch in Hollywood ("Rain Man", "I am Sam"). Filme mit diesen Inhalten scheinen zudem nicht selten Publikum und Kritik zu begeistern, so entwickelte sich "Ziemlich beste Freunde" zu einem der erfolgreichsten französischen Filme aller Zeiten und auch das deutsche Werk "Vincent will Meer", über einen tourette-kranken jungen Mann, wurde zum Kassenhit in Deutschland. Ähnlichen Erfolg wird die Dramödie "Vielen Dank für Nichts" vom Autoren/Regie-Gespann Stefan Hillebrand und Oliver Paulus ("Tandoori Love") wohl nur schwer erreichen können - dafür fehlen bekannte Namen. In Sachen Originalität, Witz und Schlagfertigkeit steht "Vielen Dank für nichts", der sich auch eine gewisse Melancholie bewahrt, den oben genannten Filmen jedoch in nichts nach.

Als großartig muss zunächst die Leistung von Hauptdarsteller Joel Basman hervorgehoben werden. Basman macht für den Zuschauer glaubwürdig und realistisch nachempfindbar, was es heißt, plötzlich und unerwartet mit einem Leben im Rollstuhl konfrontiert zu sein. Dabei ist das Regie-Gespann immer ganz nah bei seinem Protagonisten. Als Zuschauer leidet man mit Valentin in den ersten Klinik-Wochen und man kann es nachfühlen, wie verloren sich der junge Mann unter all den anderen Patienten zunächst fühlt. Aber gemeinsam mit ihm entdeckt der Kinobesucher dann auch die neuen, angenehmen Seiten der schwierigen Lebensveränderung: eine völlig neue Sicht auf das Leben im Allgemeinen, was wirklich wichtig ist, und die vielen guten Eigenschaften seiner neuen Freunde und Bekanntschaften im Heim.

Zudem gelingt es "Vielen Dank für nichts" exzellent, die unter den "Gesunden" oftmals vorherrschende falsche Betroffenheit und die unnötigen Mitleidsbekundungen aufs Glatteis und ad absurdum zu führen. Bestes Beispiel: Wenn Valentin mit zwei seiner ebenfalls an den Rollstuhl gefesselten Freunde in der Meraner Innenstadt absichtlich unschuldigen Passanten in die Füße fährt. Diese reagieren daraufhin nicht etwas sauer oder erbost auf die absichtlichen Attacken sondern: sie entschuldigen sich auch noch für den Zusammenprall. Oder wenn die drei Freunde ungefragt die Wohnung ihrer irritierten Nachbarin betreten und sich darin erst einmal einen genehmigen und es sich gemütlich machen. Dieses freche Vorgehen hätte die Nachbarin bei drei gesunden Freunden sicher nicht durchgehen lassen. Zum oftmals bösen und sarkastischen Humor des Films passt der grimmige Soundtrack von Rod Gonzalez, Sänger der Ärzte.

Fazit: Weit weg von falscher Betroffenheit oder aufgesetztem Mitleid führt der Film auf sarkastische Weise vor Augen, welchen Klischees und Vorurteilen sich behinderte Menschen in unserer Gesellschaft nicht selten ausgesetzt sehen.




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