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Mietrebellen
Mietrebellen
© Matthias Coers | schultecoersdokfilm

Kritik: Mietrebellen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit einigen Jahren steht Berlin stellvertretend für viele deutsche Großstädte, deren Wohnungsmarkt sich in rapidem Wandel befindet. Als unattraktiv geltende Wohnungen werden von zahlungskräftigen Anlegern als sichere Geldanlage genutzt, was wiederrum eine Umwandlung in teure Eigentumswohnungen und allgemeine Mieterhöhungen in kaum bekanntem Ausmaß zur Folge hat. Beispielhaft zeigt der Film Formen der unterschiedlichen Protestmöglichkeiten auf und macht damit deutlich, dass man als Mieter durchaus Chancen hat, seinen Unmut zu äußern und gegen die Verdrängung aus dem gewohnten Umfeld zu demonstrieren. Der Film beginnt mit Aufnahmen der Beerdigung einer schwer behinderten Rentnerin, die kurze Zeit nach ihrer Zwangsräumung in einer Berliner Wärmestube starb. Dass der Film mit diesem zugegebenermaßen besonders drastischen Härtefall anfängt ist legitim und nur konsequent, zeigt er doch die real existierenden Bedrohungen besonders auch für Rentner.

Im Anschluss daran zeigt der Film die unterschiedlichen Fronten auf, an denen mit verschiedenen Waffen gegen die mangelhafte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum demonstriert wird. Zu sehen sind z.B. die Besetzung des Berliner Rathauses, das Protest-Camp am Kottbusser Tor im Ortsteil Kreuzberg, der organisierte Widerstand gegen Zwangsräumungen und der Kampf von älteren Menschen und Rentnern um alterskompatible Wohnungen. Westenberg und Coers geht es dabei eindeutig nicht um eine allumfassende Darstellung und sachliche Betrachtung der Vorgänge, vielmehr versuchen sie mit ihrem Film auf emotionale Art und Weise Mitstreiter, Sympathisanten und neue Protestler zu erreichen und zu gewinnen.

Eine Bemühung um mehr Objektivität hätte dem Film daher sehr gut getan, sprich: auch die Gegenseite hätte noch stärker zu Wort kommen müssen, also die Anleger, Spekulanten, die entsprechenden Gesellschaften, die Immobilienwirtschaft. Denn die Abwägung unterschiedlicher Standpunkte ist bei diesem komplexen, vielschichtigen Thema eigentlich unverzichtbar.

Fazit: Emotionale Doku über ein komplexes, mitreißendes Thema, die jedoch zu deutlich Stellung bezieht und eine ausgewogene, allumfassende Darstellung der Ereignisse vermissen lässt.





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