VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der kleine Nick macht Ferien
Der kleine Nick macht Ferien
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Der kleine Nick macht Ferien (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Figur des kleinen Nick avancierte in den Cartoons von Jean-Jacques Sempé und René Goscinny in den 1960er Jahren in Frankreich zum Liebling der Nation. Mit seiner überbordenden kindlichen Fantasie brachten der Schuljunge und seine Freunde die geordnete Welt der Erwachsenen oft ein wenig durcheinander und stellten die Dinge in ein neues, ungewohntes Licht. 2009 inszenierte der Regisseur Laurent Tirard den Kinofilm "Der kleine Nick", dem er jetzt ein zweites Leinwandabenteuer des gewitzten Jungen folgen lässt. Während die Rollen der Eltern erneut mit Kad Merad und Valérie Lemercier besetzt sind, wird Nick von einem anderen Darsteller gespielt, weil er in der Zwischenzeit kaum älter geworden ist.

Die Schule, die im ersten Film noch eine wichtige Rolle spielte, kommt hier nur am Rande vor. Am letzten Schultag hält der Rektor eine blumige Rede über den Wert der Bildung, dann rennen die Kinder auch schon auf dem Weg in die Freiheit seinen Hausmeister um. Der arme Mann aber kann im verwaisten Paris den Sommer gar nicht genießen: In kleinen, zwischen die Haupthandlung am Meer geschnittenen Szenen sieht der Zuschauer, wie der Hausmeister vor Einsamkeit in der Stadt fast den Verstand verliert. Das erinnert stilvoll, vor allem aber lustig an Hitchcock. Überhaupt spielt Tirard diesmal sehr gerne und zum Vergnügen des Publikums mit Filmzitaten. Die Geschichte im Strandhotel am Meer lädt bewusst zum direkten Vergleich mit Jacques Tatis Klassiker "Die Ferien des Monsieur Hulot" ein. Der Film versucht, an dieses Vorbild mit Anspielungen und auch atmosphärisch anzuknüpfen, was ihm charmant und ohne falsche Anbiederung gelingt. Nicks Vater zum Beispiel entwickelt in einigen Episoden das tapsige, unbeholfene Verhalten des Monsieur Hulot im Umgang mit Missgeschicken. Und die passieren im Urlaub am Meer offenbar besonders leicht, weil die Lebensfreude und die ungewohnten Schritte ohne Alltagskorsett einem plötzlich Flausen in den Kopf setzen.

Die Ferien sind sowohl für die Erwachsenen, als auch für die Kinder gespickt mit kleinen Abenteuern im Anekdotenstil. Denn die Eltern verfolgen ihre eigene verzwickte Agenda, während Nick und seine Kumpel um seinen Junggesellenstatus kämpfen. Erste zarte Bande zum anderen Geschlecht sind für Nick dennoch inbegriffen. Der Junge muss jedoch feststellen, dass Mädchen auf potenzielle Rivalinnen nicht gut zu sprechen sind und ganz schön fordernd auftreten können. Das entspannte, nostalgische Ferienambiente, das die Komödie ausstrahlt, wirkt ansteckend. Die Inszenierung verlässt die Ebene der Realität zwischendurch auch mal kurz, um Nicks ausgeprägte Fantasie zu bebildern. Das Ergebnis ist ein hübscher, sehr vergnüglicher Unterhaltungsfilm mit unwiderstehlichem Retrocharme.

Fazit: Der kleine Nick wandelt diesmal am Strand auf den Spuren von Tatis Monsieur Hulot und erlebt mit seinen Eltern lustige Abenteuer mit unwiderstehlichem Retrocharme.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.