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Vom Ordnen der Dinge
Vom Ordnen der Dinge
© Movienet

Kritik: Vom Ordnen der Dinge (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Dokumentarfilmer Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier nehmen die deutsche Ordnungsliebe augenzwinkernd unter die Lupe. Auf ihren humorvollen Streifzügen lernen sie Menschen kennen, die sich von lückenloser Materialsammlung und vom Katalogisieren neue Erkenntnisse versprechen. Die beim Sortieren oder Messen vom Hundertsten ins Tausendste kommen oder nach der berühmten Nadel im Heuhaufen zu suchen scheinen. Sie tun das oft genug, weil es ihre Arbeit ist.

Vielleicht, so lässt der unterhaltsame Dokumentarfilm durchblicken, ist es gar nicht möglich, die veränderlichen Phänomene aus Natur oder Gesellschaft in ein festes, vollständiges Ordnungssystem zu pressen. Die Filmemacher besuchen unter anderem die Sammler und Forscher eines naturkundlichen Museums, das zoologische Taxonomie betreibt. Außerdem schauen sie bei geodätischen Vermessungen zu, bei denen es um die penibel präzise Bestimmung von Höhenfestpunkten geht. Sie begleiten Marktforscher, die anhand der Wohnungseinrichtung von Menschen deren Einstellungen erkennen wollen und umgekehrt. Oft verlaufen die Besuche nach einem bestimmten Muster: Zunächst erscheinen die vorgestellten Ordnungssysteme sinnvoll und beeindruckend, bei vertiefender Betrachtung tauchen dann aber Probleme und neue Fragen auf. Schließlich wird manchmal sogar eine Tendenz zum Absurden erkennbar.

Die Privatpersonen, die der Film mit ihren skurrilen Formen des Ordnens und ihrer Hobbyforschung vorstellt, wirken wunderlich. Aber ein wenig teilt sich ihre Faszination für das, was sie so viele Stunden am Tag tun, dennoch mit. Im Film sorgen diese Geschichten dafür, dass sich beim Zuschauer Skepsis und Belustigung einstellt. Aus dieser Perspektive heraus wird dann auch das Fragwürdige oder Komische an den Beispielen aus dem beruflichen Bereich leichter erkennbar. Ein wiederkehrendes Stilmittel sind Passagen aus Bildern und kurzen Aufnahmen von Mustern, die für Ordnung oder für Durcheinander stehen: Vogelschwärme, Wolkenformationen, Siedlungen, Fichten in einem Nutzwald. Der Dokumentarfilm regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Aber die sehr unterschiedlichen Arbeitsbereiche, an denen er seine Thesen vom Unsinn der Ordnung demonstriert, streift er nur oberflächlich. Wirklich informiert fühlt man sich dabei nicht und auf eine klare Botschaft legt dieser so interessante wie merkwürdige kleine Film offenbar auch keinen Wert.

Fazit: Mit mehr Humor als Ernst und bunt zusammengewürfelten Beispielen entwickelt der unterhaltsame Dokumentarfilm die These vom tendenziellen Unsinn des Ordnens, vor allem wenn es perfektionistisch betrieben wird.





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