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Thule Tuvalu
Thule Tuvalu
© barnsteiner-film

Kritik: Thule Tuvalu (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur von Gunten machte sich auf den Weg in die abgelegenen Gebiete, begleitete deren Bewohner im Alltag, führte ausführliche Gespräche mit ihnen und zeigt auf, wie die betroffenen Einwohner selbst ganz unmittelbar mit der Katastrophe umgehen, die in Europa erst noch bevorsteht - aber die in Thule und Tuvalu schon längt begonnen hat. Die Heimat der Menschen wird vernichtet und die Zerstörung des Lebensraums schreitet unaufhaltsam voran.

Von Gunten taucht ganz tief ein in die Lebensrealität der Bewohner. In Thule begleitet er die Männer vorwiegend bei der Jagd, wenn sie sich auf die oft lange und beschwerliche Suche machen nach Walen, Robben und anderen Tieren, die aufgrund der Eisschmelze selbst verenden oder sich andere Lebensräume suchen. In Thule werden die Einwohner auf die lange Sicht ihrer Lebensgrundlage beraubt. Dem, was die Menschen seit Jahrhunderten am Leben hält und ernährt: die Jagd. "Ich bin als Jäger aufgewachsen und nur so konnten wir überleben", sagt einer der Befragten an einer Stelle des Films. Lange, elegische aber auch melancholisch stimmende Hubschrauberflüge über die beiden Orte führen einerseits vor Augen, wie wunderschön und unberührt die Natur dort doch ist. Andererseits aber zeigen diese Bilder auch die schmelzenden Eisflächen und den gestiegenen Pegel, der immer mehr Teile der Inselfläche einnimmt und diese allmählich gänzlich zu verschlucken droht.

Das Wasser ist an manchen Stellen und Riffen schon derart hoch gestiegen, dass einige Familien bereits ihre Heimat verlassen und aufs Festland nach Neuseeland ziehen mussten. Die Gefahr des bevorstehenden Umzugs bzw. des Verlassens der geliebten Heimat spricht von Gunten auch in den Interviews mit den Einwohnern an. Ein sensibles, hoch emotionales Thema, das vielen die Tränen in die Augen treibt. Gegen Ende des Films spricht einer der Interviewten das aus, was die meisten anderen auch befürchten und insgeheim wohl schon längst wissen, aber nur nicht auszusprechen wagen. Mit etwas Glück, sagt der Mann, bleibe den Bewohnern noch ein Zeitraum von vielleicht 15 Jahren. 15 Jahre in der alten Heimat, die langsam zu verschwinden droht.

15 Jahre aber auch, die die Chance auf einen Neunanfang beinhalten an einem sicheren Ort, der weniger von der Klimaerwärmung bedroht ist. Insofern schließt der Film - trotz der Tragik des Themas - dann aber auch wieder mit einem kleinen Funken Hoffnung.

Fazit: Hochemotionale, fesselnde Doku über zwei weit voneinander entfernte Orte auf der Welt, die bereits massiv vom Klimawandel bedroht sind.






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