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Der Schmetterlingsjäger - 37 Karteikarten zu Nabokov
Der Schmetterlingsjäger - 37 Karteikarten zu Nabokov
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Kritik: Der Schmetterlingsjäger (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der deutsche Filmemacher Harald Bergmann ist als Regisseur eigenwilliger Essayfilme zu Schriftstellern ("Brinkmanns Zorn", "Hölderlin Trilogie") bekannt. Diesen persönlichen Fokus seiner Arbeit setzt Bergmann mit "Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov" fort. Nach Brinkmann und Hölderlin ist nun der russisch-amerikanische Autor Vladimir Nabokov das Objekt der Untersuchungslust des Filmessay-Experten. Der Film beginnt mit schwarzweißen Originalaufnahmen zu Nabokov, die mit philosophischen Reflexionen Nabokovs zum Dasein des Menschen und zum Wesen der Zeit unterlegt sind. Der Schriftsteller beschreibt das Leben in der Zeit als ein kurzes Aufleuchten inmitten einer großen davor liegenden und einer danach kommenden Finsternis. Im Gegensatz zu vielen anderen stellt Nabokov nicht nur die Frage danach, was nach unseren Tod geschieht, sondern interessiert sich ebenso dafür, was mit uns vor unserer Geburt war. Dieser klassische Dokumentarfilmanfang mag formal wenig originell sein, ist jedoch seinem Subjekt angemessen und hoch interessant.

Leider ist dies dem experimentierfreudigen Regisseur Harald Bergmann nicht genug. Statt eines klassischen Dokumentarfilms schwebte ihm offensichtlich viel mehr ein komplexer Essayfilm in der Art von Jean-Luc Godard ("2 oder 3 Dinge, die ich von ihr weiß", 1967) vor. Doch wird Bergman diesem hohen selbst gestellten Anspruch keineswegs gerecht und am Ende scheitert der deutsche Filmemacher auf ganzer Linie. Nabokovs Sohn war während der Filmaufnahmen bereits selbst ein Greis und starb im Jahre 2012. Dieses hohe Alter merkt man den von ihm verlesenen Sätzen aus Büchern seines Vaters deutlich an. So liest Dimitri mit schwacher und zerbrechlicher Stimme eine Passage über die von seinem Vater gefühlte "Ekstase". Die nachgespielten historischen oder imaginierten Begebenheiten aus Nabokovs Leben wirken oft willkürlich ausgewählt und noch häufiger überlang. Dies liegt sicherlich auch an den bescheidenen Schauspielkünsten einiger hier auftretender Laien. Richtig unangenehm ist jedoch das Gespräch zwischen dem Philosophen und dem Filmemacher. Bei diesem tritt der Franzose Heinz Wisman mit penetranter Schulmeisterlichkeit auf und hält es immer wieder für nötig dem deutschen Regisseur Klaus Wiborny dessen geistige Unterlegenheit bewusst zu machen. - Immerhin erfährt man, dass Nabokov auch ein Schmetterlings-Experte war. - Aber für eine Laufzeit von 135 Minuten ist das nicht allzu viel.

Fazit: Harald Bergmanns Filmessay "Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov" ist so prätentiös und wirr, wie bereits der Titel andeutet. Dabei sind Nabokovs hier vorgestellte Überlegungen zum Wesen der Zeit hochinteressant. Aber anstatt sich durch diese überlange Dokumentation zu quälen, sollte man lieber gleich die Originaltexte des Schriftstellers lesen.





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