VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Was bin ich wert? (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Inspiriert durch das gleichnamige Sachbuch von Jörn Klare und angetrieben von persönlichen Überlegungen begibt sich Peter Scharf in seinem Dokumentarfilm "Was bin ich wert?" auf eine Reise um die Welt, auf der es ihn von Saarbrücken in die Ukraine, über nach New York bis nach Glasgow verschlägt. Ein roter Faden lässt sich dabei nur selten ausmachen und so sprunghaft hier die Orte gewechselt werden, so zusammenhanglos bleibt der Film auch in dramaturgischer und inhaltlicher Hinsicht. Die Frage nach dem eigenen Wert und dem Wert eines Menschen im Allgemeinen wird so zum Aufhänger für ein Sammelsurium von skurrilen Anekdoten, die meist heiter, bisweilen auch tragisch vom Kapitalismus unserer Tage erzählen.

Als Klammer, die das alles zusammenhalten soll, dient dabei vor allem die Person Peter Scharf an sich. Denn der Filmemacher ist hier nicht bloß als Regisseur und Drehbuchautor tätig, er macht sich auch gleich selbst zum Protagonisten seines Films. Wie in vielen aktuellen Dokumentarfilmen belässt es auch Scharf nicht dabei, aus dem Off zu kommentieren, sondern thematisiert auch ausgiebig seine eigene Biografie. Nicht ohne Ironie lässt er sich etwa beim Versuch filmen, sein schütteres Haar oder seine langsamen Spermien zu Geld zu machen, sogar bei einer Fußoperation ist die Kamera mit dabei. Man kann das durchaus amüsant finden, wie der Regisseur hier mit unaufgeregtem Tonfall und zu lakonischer Gitarrenmusik sein Dasein vorführt, als Bindeglied zwischen den einzelnen Episoden taugt diese banale Nabelschau aber nicht.

Besonders vor dem Hintergrund der erschütternden Schicksale, denen sich "Was bin ich wert?" zum Teil widmet, wirkt diese stark an die eigene Person geknüpfte Herangehensweise oftmals deplatziert und zynisch. Die traumatischen Erlebnisse von Opfern des illegalen Organhandels oder von Überlebenden des Schiffsunglücks der Costa Concordia werden in ihrer Bedeutung immer wieder relativiert, wenn Scharf diese Ereignisse mit der gleichen munteren Unbefangenheit anspricht wie das eigene Wehwehchen am Fuß.

Auch wenn einzelne Episoden und ihre Protagonisten durchaus interessant sind, bleibt doch der Eindruck, dass sich die individuellen Teile dieses Dokumentarfilms nie zu einem großen Ganzen verbinden wollen. Zu oberflächlich und unreflektiert bleibt Scharfs filmische Wertbestimmung, seine Interviews zeichnen sich vor allem durch Redundanz und Wiederholungen aus. Relevante Fragen, die sich für mehr als hypothetische Zahlenwerte interessieren, stellt der Filmemacher keine.

Fazit: "Was bin ich wert?" ist ein in seiner Herangehensweise bedenklich naiver Dokumentarfilm, der sein Thema nur oberflächlich betrachtet und letztlich nicht viel mehr bietet als eine banale Nabelschau seines Regisseurs.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.