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Der große Demokrator
Der große Demokrator
© BraveHearts International GmbH

Kritik: Der große Demokrator (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Rami Hamzes Debütfilm ist zugleich ein soziales Projekt, welches das bürgerliche Engagement im Kölner Stadtviertel Kalk fördern will. Eine gespendete Summe von 10.000 Euro steht interessierten Einwohnern zur Verfügung, um etwas in ihrem Umfeld zu verbessern, und zwar ohne bürokratischen Aufwand. Das Geld soll sozusagen als Anreiz dienen, um die Bürger ins Gespräch zu bringen und sie langfristig zu mehr Engagement zu motivieren. Der Filmverleiher BraveHearts zeigt die humorvolle und lehrreiche Dokumentation im Rahmen seiner "I Care!"-Kampagne für Sozialunternehmertum und nachbarschaftliches Engagement.

Hamze, der in Köln studiert hat, geht sein Projekt mit viel Idealismus an: Die Entscheidung für die beste Investition stellt er sich nicht als konkurrierendes Gegeneinander vor. Außerdem soll der Plan, der sich durchsetzt, möglichst vielen Bewohnern etwas bringen. Und die ausländischen Bürger sollen sich mehr als sonst beteiligen und mit den deutschen Nachbarn ins Gespräch kommen. In den verschiedenen Phasen der Kampagne erfährt Hamze jedoch, dass Geld und Idealismus allein die Dinge noch nicht richten. Zuerst lockt das Projekt eine Bürgerinitiative an, die schon länger gegen einen geplanten Hubschrauberlandeplatz auf dem Kalkberg kämpft. Andere wollen ein Karussell auf den Berg stellen oder einen Abenteuerspielplatz im Viertel errichten. Streckenweise bekommt man den Eindruck, dass die Menschen gar nicht so recht wissen, was sich in ihrem Stadtteil verbessern soll. Aber dann kommen auch ehrgeizige Ideen auf, wie zum Beispiel im Integrationshaus, wo man eine Leihgemeinschaft gründen will.

Die letzte Etappe, in der die verschiedenen Pläne vor der Abstimmung diskutiert werden, gerät richtig spannend. Im nahen Umfeld praktizierte Demokratie entpuppt sich als kontrovers, konflikthaft und vor allem sehr mühselig. Abstimmungen müssen wiederholt, ungeklärte Fragen ausdiskutiert werden: Soll das Geld unter verschiedenen Projekten aufgeteilt werden oder nur einem einzigen zu Gute kommen? Trotz aller Probleme stimmt die Entscheidung des Plenums optimistisch: Man will den Projektraum langfristig als Treffpunkt weiternutzen. Und die Leihgemeinschaft bekommt auch die gewünschte Anschubfinanzierung.

Leicht hätte solch ein Thema langweilig und trocken geraten können. Diese Gefahr minimiert Hamze erfolgreich, indem er die Etappen des Projekts mit viel Humor und auch Selbstironie begleitet. Er kommentiert einzelne Vorschläge durchaus kritisch und zeigt offen, wie er an seine eigenen Grenzen stößt. Ein besseres Miteinander im Stadtviertel ist nicht von heute auf morgen zu erreichen und verlangt den Beteiligten Geduld und Zuversicht ab. Aber es lohnt sich.

Fazit: Der Dokumentarfilm zeigt anhand eines Experiments mit viel Humor, dass sich mehr Bürgerengagement auf Stadtviertelebene zwar lohnt, aber konkret auch ziemlich schwierig ist.




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