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Xenia - Eine neue griechische Odyssee
Xenia - Eine neue griechische Odyssee
© Pro Fun Media

Kritik: Xenia - Eine neue griechische Odyssee (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Coming-of-Age-Drama "Xenia" trägt den deutschen Untertitel "Eine neue griechische Odyssee". Zwei jugendliche Brüder stehen nach dem Tod ihrer Mutter vor einer ungewissen Zukunft: Obwohl sie in Griechenland zur Welt kamen und aufwuchsen, gelten sie als Albaner, die mit Beginn der Volljährigkeit kein Bleiberecht mehr haben. Wenn sie sich nach der Anerkennung ihres griechischen Vaters sehnen, den sie kaum kennen, dann ist das ganz wörtlich gemeint. Ihre schwierige Irrfahrt nach Thessaloniki bringt sie mit dem Gesetz in Konflikt, schweißt sie aber auch zusammen. Die Reise ist auch ein Abschiednehmen von der geliebten Mutter und der Kindheit, zu der die Lieder der italienischen Schlagersängerin Patty Pravo gehörten. Die Hauptcharaktere im Film des Regisseurs Panos H. Koutras sind Außenseiter, die sich gegenseitig Mut machen. Als Ausländer sind sie den Aggressionen rechtsextremer Griechen ausgesetzt und Danny wird auch als Schwuler angepöbelt.
Die Suche der Brüder nach einem Halt im Leben gerät in mancher Hinsicht zur Metapher für eine Gesellschaft, die von besseren Zeiten Abschied nehmen muss und auf sich selbst zurückgeworfen ist. Auf der Flucht vor der Polizei suchen Danny und Ody Zuflucht in einem verlassenen Hotelgebäude, das zur Luxuskette "Xenia" gehört. In den 1950er Jahren erbaut, sind inzwischen die meisten dieser Hotels marode und leerstehend. Xenia aber bedeutet auch Gastfreundschaft – ein deutlicher Appell des Films, in der Wirtschaftskrise nicht auch noch die ethischen Werte der eigenen Kultur über Bord zu werfen. Als ironischer Seitenhieb ist ausgerechnet der Mann, den die Brüder für ihren Vater halten, ein Kandidat der rechtsextremen Partei, die gegen Ausländer und Nichtchristen hetzt.

Danny, der wie Ody von einem unerfahrenen, aber talentierten Darsteller gespielt wird, ist schon an seinem Äußeren und seinen Bewegungen als Schwuler zu erkennen. Er kleidet sich farbenfroh und hat immer einen Lolli im Mund, sowie ein weißes Kaninchen im Arm. So fröhlich und unbekümmert, wie sich dieser Junge gibt, so verstört ist er aber auch: Seine Fantasie geht oft mit ihm durch und er sieht Erscheinungen. Der Film folgt ihm in diese Visionen und überrascht die Zuschauer mit originellen Wendungen. Das Thema Homosexualität wird auf lustvoll verspielte Weise angeschnitten, mit Tanzeinlagen und dem Traum vom Liegen auf einer behaarten Männerbrust. Diese moderne Odyssee führt nicht in den Hafen des Glücks, sondern ist Aufbruch in ein eigenes, selbstbestimmtes Leben. Mit der jugendlichen Unschuld seiner beiden Hauptfiguren als Leitfaden gelingt dem Film eine spannende Balance zwischen Ernst, Trauer und vitalem Optimismus.

Fazit: Die Odyssee zweier junger albanischer Brüder durch ihre Heimat Griechenland, die ihnen die kalte Schulter zeigt, ist ein spannender und zugleich optimistisch fröhlicher Appell zur gesellschaftlichen Rückbesinnung auf Gastfreundschaft und Toleranz.





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