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White Shadow
White Shadow
© Temperclayfilm

Kritik: White Shadow (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"White Shadow" ist der Debütfilm des in Berlin lebenden israelischen Filmemachers Noaz Deshe. Das Projekt wurde als deutsch-italiensche Koproduktion direkt vor Ort in Tansania mit Laiendarstellern gedreht, wobei kein Geringerer, als Gyan Gosling ("Drive") als ausführender Produzent fungierte. Die Grundlage der uns so krude erscheinenden Geschichte ist der reale Sachverhalt, dass in den ostafrikanischen Ländern – in Kenia, im Kongo und eben auch in Tansania - tatsächlich regelmäßig Albinos ermordet werden, da mit ihren Körperteilen sehr viel Geld gemacht werden kann. So ist in "White Shadow" die Rede davon, dass ein Albinoherz 5000 $ wert ist, was bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 442 $ ein wahres Vermögen darstellt. So wurden alleine in Tansania seit dem Jahre 2000 über 70 solcher bestialischen Morde an Albios begangen. Das erscheint unverständlich. Aber immerhin kann man nachvollziehen, dass Albinos mit ihrer hellen Haut, ihren hellen Haaren und ihren blauen Augen in Afrika noch weit mehr Aufsehen erwecken, als sie es bereits in nördlicheren Breitengraden tun.

Alias (Hamisi Bazili) schwebt von Anbeginnn der Geschichte an in Gefahr. Das Perfide an seiner Situation ist zum einen die völlige Irrationalität, die den Gründen einer möglichen Jagt auf ihn zugrunde liegt. Darüber hinaus lässt sich sein Albinismus schlicht nicht völlig verheimlichen. Sobald sich Alias unter Menschen begibt, spürt er das Damoklesschwert über seinem Kopf. Entsprechend gehetzt-paranoid ist auch Alias' Wahrnehmung. Diese spiegelt sich in der audiovisuellen Gestaltung des Films: "White Shadow" wirkt oft geradezu collagenartig, ist von harten Schnitten, abrupten Orts- und Stimmungswechseln geprägt. Zahlreiche Nachtaufnahmen, auf den kaum etwas zu erkennen ist, sorgen für zusätzliche Deorientierung. Auf der Tonspur dröhnt und wummert dazu ein böser Ambient-Beat. Auf freundvolle, verspielte Szenen, folgen Szenarien voller Brutalität und Gewalt. Schulden werden prügelnd eingetrieben, ungeliebte Konkurrenz beim Straßenverkauf wird unerbittlich verjagt. Selbst das Grab von Kosmos' kürzlich verstorbener Frau ist entweiht. An der selben Stelle wurde einfach noch mindestens eine weitere Person vergraben. Das sich aus den verschiedenen blutigen Bruchstücken zusammensetzende Bild ist das einer Gesellschaft, die völlig aus den Fugen geraten ist. Die Albino-Organ-Händler erscheinen da fast nur als die Spitze eines Eisbergs aus einem allumgreifenden gesellschaftlichen Sumpf, in dem jede Moral abhanden gekommen ist.

Fazit:
Mit "White Shadow" ist dem Israeli Noaz Deshe ein sehr eindringliches Debüt um ein so wichtiges, wie schockierendes Thema geglückt, das höchstens ein wenig zu lang geraten ist.





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