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Kritik: Töchter (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Eine Mutter, die ihre weggelaufene Tochter sucht, lernt eine junge Obdachlose kennen, die sich zumindest vorübergehend Geborgenheit wünscht. Der Film von Maria Speth handelt von zwei Menschen, die ihren Kummer weitgehend mit sich alleine ausmachen und sich in der Begegnung dennoch gegenseitig ein wenig weiterbringen. Das minimalistisch zurückgenommene Drama misstraut der Sprache und lässt den Zuschauer kräftig miträtseln, zu welchen Erkenntnissen die Protagonistinnen, vor allem Agnes, kommen.

Warum Agnes' Tochter von zu Hause weglief, bleibt im Unklaren. Agnes will nämlich nicht darüber sprechen. Ist sie eine schlechte Mutter gewesen, hat sie dem Mädchen keine andere Wahl gelassen? Agnes' Persönlichkeit bleibt ebenfalls weitgehend verdeckt: Wenn sie durch die fremde Stadt irrt und die Obdachlosentreffs abklappert, wird lediglich ihre eigene Verlorenheit und Hilflosigkeit sichtbar. Auch Ines gegenüber äußert sie ihre Ansichten nicht. Das ginge auch schlecht, denn die junge Frau ist sehr aggressiv und empfindlich. Ines malt, vor allem aber lässt sie sich von fremden Menschen für eine Weile aushalten. Auch sie lief einst von zu Hause fort und entdeckt in Agnes einige Parallelen zur eigenen Mutter. So verschieden Agnes und Ines auch sind, es verbindet sie die Sehnsucht nach der echten Tochter und Mutter.

Die Inszenierung ist stellenweise krude, etwa bei der Sektion der Mädchenleiche. An anderer Stelle gibt es eine Art Performance, bei der sich ein Frauenkörper aus einer Tonmasse zwischen lauter lädierten Schaufensterpuppen herauslöst. Hat jemand diese Szene geträumt, hat Ines sie erinnert? Man erfährt es nicht. Soviel Geheimniskrämerei wirkt manieriert, zum Beispiel auch in Bezug auf die eigenwillige Vorliebe von Ines, nackt herumzugehen. Zu solchen Rätseln kommen dann viele Sequenzen, in denen nichts passiert, außer dass Agnes mit gesenktem Kopf U-Bahn fährt oder sich im Rückspiegel des Mietwagens schminkt.

So wirkt der Film nicht wie aus einem Guss, es scheint, als habe die Regisseurin verschiedene Ideen experimentierfreudig zusammengepackt. Aber in der Ungewissheit, die die Geschichte ausstrahlt, spiegelt sich natürlich auch der Bruch, die Verstörung, die Agnes und Ines in den Beziehungen zur Tochter und zur Mutter erfahren haben. Ein Sozialarbeiter sagt Agnes, dass ihre Suche keine Chance habe, wenn ihre Tochter nicht gefunden werden wolle. In der Verschlossenheit, die sie selbst an den Tag legt, ahnt man einen Grund für die Abkehr der Tochter. Das Drama wartet am Schluss noch mit einer überraschenden Volte auf, in der sich erneut Kälte und Reue mischen und kurzlebige emotionale Gebilde erzeugen, die der Zuschauer selbst interpretieren muss.

Fazit: Maria Speths kammerspielartiges Drama über eine Mutter, die ihre weggelaufene Tochter sucht und eine junge Obdachlose kennenlernt, kreist minimalistisch zurückgenommen um die Sprachlosigkeit in Beziehungen und gibt dem Zuschauer stellenweise allzu viele Rätsel auf.




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