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Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt
Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt
© Real Fiction

Kritik: Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In Pedro Almodóvars "###f-11794" (1999) zählt die Transsexuelle Agrado einmal all die kostspieligen chirurgischen Eingriffe auf, die sie auf sich genommen hat, um zu der Frau zu werden, die sie nun mal ist. Auf die Frage, warum sich diese Mühen gelohnt haben, hat sie ebenfalls eine passende Antwort parat: "Weil wir umso authentischer sind, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir von uns selbst haben." Dieses Credo scheint auch der Drehbuchautor und Regisseur Thomas Wallner verinnerlicht zu haben, wenn er seine sechs Hauptdarsteller in gleichfalls intimen wie einfühlsamen Episoden porträtiert und seine Stars dabei immer selbstbestimmt und voller Würde auftreten lässt.

Auf den Spuren der gleichnamigen Bühnenshow begegnet der Dokumentarfilm "Gardenia – Bevor der letzte Vorhang fällt" seinen Protagonisten so stets auf Augenhöhe, sei es beim Umziehen hinter der Bühne oder im Alltag beim Putzjob in einem Bordell. Wallner nähert sich seinem Sujet nicht penetrant investigativ und drängt niemanden zu reden. Er beobachtet stattdessen aufmerksam das Geschehen und lauscht nachdenklich den Geschichten der schwulen und transsexuellen Schauspieler, die meist mit spürbarer Lust über sich und ihre Leben sprechen. Ihre Schicksale scheinen dann auch tatsächlich einem der bitter-süßen Melodramen Almodóvars entsprungen zu sein und erzählen unprätentiös, aber mit einem Sinn für große Gesten von der Suche nach Liebe sowie von Einsamkeit und Authentizität.

Dabei gelingt es Wallner und seinem Team immer wieder mit anspielungsreichen visuellen Einfällen und großartigen Bildkompositionen, dem Dokumentarfilm wahrhaft cineastische Qualitäten zu verleihen. Nicht nur die Bühnenperformances der "Gardenia"-Gruppe werden auf der Leinwand aus einem neuen Blickwinkel erlebbar, auch der Alltag der Darsteller wird in poetischen Bildern zwischen Vulgarität und Glamour zu hervorragendem Stoff fürs Kino.

Fazit: Dieses intime und einfühlsame Porträt einer Gruppe von schwulen und transsexuellen Schauspielern und ihrem letzten großen Auftritt erzählt auf melancholische und wahrhaft cineastische Weise von der Liebe, dem Alter und der Einsamkeit.





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