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Kritik: Die letzten Gigolos (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eines machen die Männer in diesem Film, die "Gentleman-Host" oder auch "letzten Gigolos" schnell deutlich: auch im Alter ist noch alles möglich. Auch mit Mitte 70 ist es noch nicht zu spät, sich seinen Träumen im Leben hinzugeben, Spaß zu haben, zu Flirten und sogar sich neu zu verlieben. Allein diese Erkenntnis macht den Film von dem in Aachen lebenden 34-jährigen Filmemacher Stephan Bergmann wichtig und sehenswert. Er begleitete die reichen Damen und ihre Gentlemen für einige Wochen auf ihrer Luxusreise über die Meere der Welt und war hautnah dabei, wenn sich die Männer als Gentlemen der alten Schule, Tangotanz- oder einfach nur illustre Gesprächspartner erwiesen.

Einer der Männer ist der 74-jährige, aus Frankfurt stammende Peter Nemela. Nemela sieht wie die meisten Männer auf dem Schiff sehr gut aus, gestriegelt, charismatisch. Das attraktive Äußere macht die Männer optisch mindestens mal 20 Jahre jünger, sie gehen in ihrer Rolle voll auf, ihre Zeit mit den alleinreisenden Frauen um die 60 zu verbringen und den "ehrenwerten Gentleman" zu spielen. Dabei gelingt es Bergmann, den Reisenden intime Infos und Details über deren Motivation und verborgene Träume zu entlocken, auch die Themen "Sex" und "Beziehung" kommen zur Sprache. Er blickt ausgiebig hinter die Fassade eines für die Agenturen und Reedereien einträglichen Geschäfts.

So unterhaltsam das Treiben und Flirten unter den Senioren auf dem Schiff ist: die Kurzweiligkeit von Thema und Film sorgen dafür, dass man im Anschluss an den Film diesen auch recht schnell wieder vergessen hat. Negativ muten zudem die übertrieben auf Hochglanz polierten, edel-exquisiten Bilder an, die - so scheint es - fast ebenso luxuriös daherkommen wollen wie die Damen auf dem Schiff. Es wirkt so, als wollte Bergmann seine erlesenen Bilder ganz der feudalen Ausstattung des Schiffs anpassen. Alles wirkt geplant, ins rechte Licht gerückt und daher wenig realistisch. Dabei ist es doch gerade das, was eine gute Dokumentation ausmachen sollte: Realismus und Wahrhaftigkeit.

Fazit: Unterhaltsamer, kurzweiliger Film über ein weithin unbekanntes Thema, dessen Inszenierung und Bildsprache zu geplant und gekünstelt daherkommen.





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