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Den Himmel gibt's echt
Den Himmel gibt's echt
© Sony Pictures

Kritik: Den Himmel gibt's echt (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Das Religions-Drama "Den Himmel gibt's echt" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Todd Burpo, der in dem Buch die Erfahrungen mit der (angeblichen) Nahtod-Erfahrung seines Sohnes niederschrieb. Regie führte hier Randall Wallace, eigentlich ein erfahrener, fähiger Filmemacher, auf dessen Konto gelungene Werke wie "Der Mann in der eisernen Maske" oder "Secretariat" gehen. Im stark im (christlichen) Glauben verwurzelten Amerika erwies sich der Film mit einem Einspielergebnis von rund 60 Millionen Dollar als echter Kassenhit, ob er hierzulande ähnlich erfolgreich wird, ist unwahrscheinlich, bleibt aber abzuwarten. "Den Himmel gibt's echt" ist jedoch nichts weiter als ein als Drama getarnter Werbefilm für den christlichen Glauben bzw. die Kirche, der unreflektiert und unkritisch die fadenscheinige, rührselige Geschichte des Buches abfilmt. Ärgerlich sind darüber hinaus die schwülstig-geschwollenen Dialoge und einige salbungsvollen Szenen, die an Pathos kaum zu überbieten und daher nur schwer zu ertragen sind.

"Den Himmel gibt's echt" ist ein Werbefilm für den christlichen Glauben, von dem manch fundamentale Freikirche nur träumen kann. Alle paar Augenblicke rückt der Film Kruzifixe, die im Film vorkommende Kirche oder den predigenden Pastor ins Bild, der vor der versammelten Gläubigen-Meute seine geschwollenen Predigten und Worte Gottes zu verbreiten versucht. Greg Kinnear spielt den Priester und Familienvater dabei aber immerhin noch halbwegs glaubwürdig und geerdet, im Gegensatz zur restlichen Besetzung. Nur schwer zu ertragen ist Connor Corum als Colton, der die Nahtoderfahrung am eigenen Leib erlebt haben will.

Bewusst suchten sich die Macher hier einen knuffigen, lieblichen, mit besonders großen blauen Kulleraugen ausgestatteten Jungen mit einem zarten Engels-Gesicht aus, der sein bedeutungsschwangeres, aufgesetztes Lachen und Grinsen alle paar Minuten der Kamera präsentieren darf. Kritik an der Kirche findet im Film ebenso wenig Platz wie die Aburteilung oder Zweifel an den Schilderungen des Jungen. Lediglich Vater Todd ist es zu Anfangs, der die Geschichte leicht anzweifelt, aber auch er wird bald bekehrt. Ebenso bekehrt werden sollen die Zuschauer. Im Film selbst gibt es praktisch keine Ungläubigen, die einzige Person, die keine bekennende, "echte" Christin zu sein scheint, ist die Psychiaterin, deren Ansichten und Einstellungen jedoch im Film nicht nur einmal als falsch und unchristlich dargestellt werden. Allzu theatralisch gestalten sich darüber hinaus einige Gebets-Szenen, etwa wenn wildfremde Feuerwehrmänner plötzlich anfangen, für den Jungen ein Gebet gen Himmel zu schicken oder wenn man nach dem Aufwachen des Jungen aus dem Koma einhellig der Meinung ist, nicht die Ärzte hätten den Jungen gerettet, sondern die vielen Gebete der Menschen. Zu allem Überfluss kommen noch schwülstige und kitschige Dialoge hinzu, die dem Ganzen die (Dornen) Krone aufsetzen ("Manche Leute haben einfach Angst, aus vollem Herzen zu Glauben").

Fazit: Bedeutungsschwangerer, schwülstiger Bekehrungs-Versuch mit platten Dialogen und affektierter Bild-Sprache.





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