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Von Menschen und Pferden
Von Menschen und Pferden
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Kritik: Von Menschen und Pferden (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Aufregung herrscht in dem kleinen Tal irgendwo in Island, denn Kolbeinn (Ingvar Eggert Sigurðsson) macht sich mit seiner strahlend weißen Stute Brúnn auf den Weg zu der jungen Witwe Solveig (Charlotte Bøving). Der Nachmittag verläuft gut, doch dann geschieht etwas Unvorstellbares: Brúnn und Kolbeinns Hengst Grána geben sich beim Abschied einem beschämenden Moment der Lust hin. Es wird lange dauern, bis sich Kolbeinn davon erholt – und für Brúnn nimmt es gar ein böses Ende. Dagegen ist Vernhardur (Steinn Ármann Magnússon) dem Wodka verfallen, aber er kann sich stets auf sein Pferd Jarpur verlassen. Sogar bei der Begegnung mit einem russischen Fischtrawler. Unterdessen liefern sich Grimur (Kjartan Ragnarsson) und Egill (Helgi Björnsson) einen Kleinkrieg, in dem es um Zäune geht. Grimur hat ein Pferd, Egill einen Traktor – dieses Kräftemessen kann nicht gut ausgehen. Jóhanna (Sigríður María Egilsdóttir) kämpft mit ihrem wilden Hengst Raudka und den Vorurteilen einiger Männer, dagegen ist Juan Camillo (Juan Camillo Roman Estrada) anfangs verliebt in die wilde Natur, lernt aber schnell ihre Schattenseiten kennen. Und alle diese Geschichten werden im Herbst enden, wenn die Pferde zusammengetrieben werden.

In 81 Minuten erzählt der isländische Regisseur Benedikt Erlingsson von den verschiedensten Beziehungen zwischen Menschen und ihren Pferden. Die einzelnen Episoden sind dabei vor allem durch den Ort verbunden, an dem sie spielen; Erlingsson sucht keinen anderen Zusammenhang als das gemeinsame Leben. Deshalb wirkt sein Film mitunter wie eine Anekdotensammlung aus Island, visualisiert mit einer sehr natürlichen Kamera sowie äußert prägnanter Musik. Sie unterstreicht den knorrig-derben Humor des isländischen Films, außerdem vermittelt sie Lokalkolorit und Authentizität.

In den Geschichten geht es um falsch gesetzte Zäune, Alkoholschmuggel und den Alltag in einem Landstrich, in dem das Pferd Fortbewegungsmittel und zugleich oft einziger Kommunikationspartner ist. In ihnen thematisiert Erlingsson die Schattenseiten des Lebens in Island: Viele haben ein Alkoholproblem, die Bewohner der Häuseransammlung sind einsam und bespitzeln sich gegenseitig, aber mit der Neugier ist nicht immer Hilfsbereitschaft verbunden. Zugleich wird in den Episoden aber auch deutlich, wie eng die Verbindung zwischen den Pferden und Menschen ist und wie viel Unwissenheit es in dieser Beziehung gibt. Dabei verklärt Erlingsson weder die Pferde noch die Menschen, wenngleich sein Film auch eine kleine Hommage an die Islandponys ist, auf die das Land so stolz ist.

Fazit: Eine verschrobene isländische Komödie, anekdotenhaft erzählt, sehr gut gespielt.




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