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American Muscle
American Muscle
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: American Muscle (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Quentin Tarantino und Robert Rodriguez huldigten in ihrem aus "Grindhouse - Death Proof" und "Grindhouse - Planet Terror" bestehendem Grindhouse-Double-Feature dem kruden Charme alter B-Movies. Doch - wie auch in ihren weiteren Filmen, in denen sie sich völlig ungeniert beim Bahnhofskino der 70er- und 80er-Jahre bedienten - taten sie dies mit einem postmodernen Augenzwinkern. Damit hat gerade Tarantino so sehr Schule gemacht, dass einem das Ganze sich so unheimlich lässig gebende "Aus welchem Film habe ich jetzt gerade diese Szene geklaut?" bereits lange auf die Nerven geht. Es wurde allmählich Zeit, dass sich einmal jemand ganz ohne jedes Augenzwinkern ganz unverkrampft zu dem ranzigen Geruch der alten Billig-Filme bekennt. So jemand kommt jetzt mit Ravi Dhar. Sein Debütfilm "American Muscle" ist ein kleiner, dreckiger, knackige 75 Minuten kurzer Film, mit einem muskelbepackten Helden der sich pausenlos poppend und mit seiner Pump-Gun Köpfe wegpustend durch die minimalistische Handlung kämpft.

Die geht so: Gleich nach seiner Entlassung wird John Falcon von einer Dame mit einem heißen Flitzer und einem noch heißeren Höschen mitgenommen. Diese zeigt ihr Bedauern und ihr Mitgefühl ob der Frechheit, dass John nach all den Jahren nicht von seiner Ehefrau abgeholt wird. Gleich darauf fragt sie ihn: "Do you wanna fuck?" Was dann sofort im offenen Wagen mit Blick auf andere vorbeifahrende Autos auf animalische Art in die Tat umgesetzt wird. Als John später das erste Bandenmitglied aufsucht, hat dieses bereits für Verstärkung in Form angeheuerter Killer gesorgt. Als John auf einen von ihnen mit seiner Pump-Gun zugeht, meint der ganz großkotzig: "You don't know who I am!" John bläst in einfach um und kommentiert anschließend: "You are right. I don't know who you are." - Wenn man nur ein wenig Spaß versteht, so muss man diesen Film einfach gerne haben!

"American Muscle" ist einer dieser Filme, die kein Gramm Fett zu viel haben und in denen trotzdem alles drin ist. Herrlich unironisch brettert John Falcon bei gleißender Sonne in seinem röhrenden kanariengelben Boliden durch die staubtrockene Wüste. Dies ist ein Mann, der definitiv keine Gefangenen macht. Das muskelbepackte Kraftpaket bläst nicht nur mit seiner Pump-Gun Männern ihre Köpfe weg, sondern beißt auch einmal gänzlich uncharmant einer Frau die Zunge heraus und tritt sie anschließend mit seinen schwarzen Stiefeln platt. Das ganze Spektakel ist gleichermaßen derb, wie over-the-top, wird jedoch jederzeit mit dem größtmöglichen Maß an Ernst dargeboten. Natürlich kann man solch einen Film heutzutage trotzdem nicht mehr ernst nehmen. Aber gerade hierdurch bezieht "American Muscle" eine unglaublich trockene Komik, wie man sie ansonsten eigentlich nur noch aus den Filmen der Coen Brothers kennt.

Fazit: "American Muscle" ist hart, dreckig, billig und unheimlich gut!




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