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Wiedersehen mit Brundibar
Wiedersehen mit Brundibar
© Wilder Süden Filmverleih

Kritik: Wiedersehen mit Brundibar (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Als die Jugendlichen erfahren, dass das Stück in den 40er-Jahren im KZ Theresienstadt von jüdischen Kindern aufgeführt und von den Nazis für Propagandazwecke instrumentalisiert wurde, wächst ihr Interesse. Die Doku "Wiedersehen mit Brundibar" von Regisseur und Doku-Filmer Douglas Wolfsperger begleitet die Theatergruppe bei den Proben, der Reise an den Ort des Geschehens nach Theresienstadt und bei der Aufführung. Und schließlich auch beim Aufeinandertreffen der jugendlichen Darsteller mit Greta Klingsberg, eine der wenigen Überlebenden der Originalbesetzung, die damals die Hauptrolle spielte. "Wiedersehen mit Brunibar" ist ein aufwühlender, spannender Film gegen das Vergessen, der ein weitgehend unbekanntes Kapitel der NS-Terrorherrschaft thematisiert und daher nicht nur für Geschichtsinteressierte und Historiker interessant ist.

Das Anne Frank Zentrum in Berlin urteilte über diesen Film, dass man ihn und seine beklemmende Geschichte in jedem Fall sehen müsse. Und es stimmt: "Wiedersehen mit Brundibar" ist wichtiges, hochemotionales Doku-Kino, das sich einem bis heute kaum behandelten Thema widmet: den Aufführungen der Kinder-Oper im KZ Theresienstadt, die von den Nazis damals bis zu 50mal auf die Bühne gebracht wurde. Zwei Dinge sind besonders bewegend mit anzusehen in "Wiedersehen mit Brundibar": zum einen die Begegnung der jugendlichen Darsteller mit der heute in Israel lebenden, 85-jährigen Jüdin Greta Klingsberg. Interessiert und aufmerksam stellen sie der sympathischen Holocaust-Überlenden Fragen gegen das Vergessen.

Faszinierend ist mit anzusehen, wie die anfängliche Skepsis der Theatergruppe gegenüber dem Stück und den abermaligen NS-Inhalten ("Ich finde nicht, dass die Lehrer das Thema in der Schule einfühlsam erklären") weicht und von einem großen Interesse und Leidenschaft gegenüber der Thematik ersetzt wird. Zum zweiten sind es die wenigen, raren Original-Aufnahmen von den Aufführungen aus den frühen 40er-Jahren, die verdeutlichen, mit welcher Stärke und welchem Einfühlungsvermögen die jüdischen, dem Tod geweihten Kinder in die Welt der Oper eintauchen und das Stück präsentierten konnten.

Fazit: Einfühlsame, hochinteressante Doku über ein bis heute wenig beleuchtetes Kapitel der NS-Schreckensherrschaft.





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