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Kritik: That Lovely Girl (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"That lovely girl" beruht auf dem erfolgreichen Roman "Far from his Absence" der bekannten, aus Israel stammenden Schriftstellerin Shez. Inszeniert wurde der Film vom Regisseur und Drehbuchautor Keren Yedaya, der in "Lovely Girl" die verbotene, intime Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter mit erschreckender Beiläufig- und Selbstverständlichkeit erzählt. Dementsprechend geschockt reagierten daher immer viele Kritiker und Besucher, wie etwa bei den Filmfestspielen in Cannes 2014.

Leider wird schon in den Inhaltsangaben und auch im Presseheft darauf verwiesen, dass es sich bei den beiden Hauptfiguren um Vater und Tochter handelt. Letztlich war dieser Umstand auch der Grund für die kontroversen Diskussionen und hitzigen Debatten in Cannes im vergangenen Jahr. Insofern ließ sich der Inhalt bzw. die eigentlich entwaffnende Tragik der Geschichte ohnehin nicht lange verbergen. Der intensive, bedrückende Film hätte dabei noch eine weitaus schockierendere Wirkung, wenn man erst am Ende auf irgendeine Art und Weise von der eigentlichen, familiären Verbindung der Beiden erfahren würde. Dennoch sorgt das Geschehen auf der Leinwand - auch wenn man darüber bereits im Vorfeld informiert ist - für ungläubiges Entsetzen und eine regelrechte Schockstarre.

Denn auf der Leinwand sieht man ein ungleiches Liebespaar, das gleichzeitig Vater und Tochter ist. Wie selbstverständlich begehen die Beiden den Akt der Liebe, wobei im Rahmen dessen das ungleiche Kräfteverhältnis innerhalb der Beziehung deutlich wird: der 60-jährige Vater bestimmt über seine Tochter, er nimmt sich was er will, wann er es will. Letztlich kann man auch darüber streiten, ob es eine gute Idee von Regisseur Yedaya war, dem Zuschauer weitere Informationen über die Figuren bzw. deren Vorleben zu enthalten. Der Betrachter erfährt nichts, weder was zu dieser Beziehung geführt hat, noch was mit der Mutter ist oder wie lange das zerstörerische und von erbarmungsloser Herzlosigkeit gekennzeichnete Liebensverhältnis bereits existiert. Diese Informationsarmut sorgt nochmals für eine nachhaltigere Wirkung des Gezeigten.

Gegen Ende kulminiert die sexuelle Beziehung in einem neuen, tragischen "Höhepunkt", der für viele andere Paare das Höchste der Gefühle darstellen würde. Besonders im Gedächtnis bleiben eine surreale Traumsequenz und jene Szene, in der sich Tami von einer Gruppe junger Männer am Strand sexuell benutzen lässt, was nichts anderes als ein bestürzender Hilfeschrei ist. Am Schluss aber - und das hätte man bei dem Film und beim bisher Gezeigten am aller wenigsten erwartet - gibt es Hoffnung, denn Tami beweist Mut zur Selbstbestimmung und Auflehnung.

Fazit: Nachhaltiges, intensiv gespieltes Kammerspiel, das auf schwer zu verdauende Weise unaufgeregt und regelrecht beiläufig von der sexuellen Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter erzählt.




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