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Von jetzt an kein Zurück
Von jetzt an kein Zurück
© Salzgeber & Co

Kritik: Von jetzt an kein Zurück (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Hauptdarstellerin Victoria Schulz begeisterte die Jury mit ihrer nachhaltigen Darstellung der Ruby derart, dass sie im vergangenen Jahr auf dem 21. Filmfest in Oldenburg mit dem Preis als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Auch auf der diesjährigen Berlinale lief das Drama vom österreichischen Regisseur Christian Frosch. "Von jetzt an kein zurück" ist ein in schwarz-weiß gefilmtes, berührendes Drama, das durch die unverblümte Darstellung des erbarmungslosen Heim-Alltags teils nur schwer zu ertragen ist. Inhaltlich könnte der Film in einer Zeit, in der die Aufarbeitung von an Jugendlichen in Heimen begangenen Gräueltaten die mediale Berichterstattung immer wieder beherrscht, aktueller kaum sein.

Der Film ist zu keinem Zeitpunkt eine sorgenfreie Liebesgeschichte, die das glückliche Miteinander zweier junger Liebenden zeigt. Auch im ersten Drittel des Films, wenn der Heimalltag noch in weiter Ferne liegt, wird das Glück von Ruby und Martin immer wieder durchbrochen von den harschen und rabiaten Erziehungsmethoden der Eltern. Allen voran Ben Becker liefert als stockkonservativer Vater eine bedrückende Darstellung, dem die Hand nicht nur einmal ausrutscht. Die Stimmung im Film kippt, als auch bei Ruby und Martin Hoffnung aufkeimt, durch die Flucht nach Berlin einer rosigeren Zukunft entgegenzusteuern.

Doch diese Stimmung währt nur kurz - dann nämlich werden die Beiden gefasst und es beginnt der Teil des Films, der am einprägendsten geraten ist: die Zeit in den Erziehungsheimen, die Regisseur Frosch ohne Rücksicht auf die Empfindungen des Zuschauers darstellt und in ihrer Unerbittlichkeit den Heim-Szenen in Barry Levinsons "Sleepers" in fast nichts nachstehen. Filme, die zeigen, wie Jugendliche in den durch Umbruch und Rebellion bestimmten 60er-Jahren zu gewalttätigen Straftätern werden können, sind zur Zeit in Mode. So beschrieb bereits die Dokumentation "Eine deutsche Jugend" den Weg von scheinbar harmlosen Studenten in den RAF-Terror. Auch Martin landet nach der prägenden Zeit im Heim in einer militanten Gruppe, von der der Weg in den Terrorismus nicht weit ist. In einem sind sich beide Filme einig: Gewalt erzeugt Gegengewalt, oder, wie Martin es formuliert: "Es hilft nur Gewalt. Gewalt herrscht."

Fazit: Bedrückendes Jugend-Drama mit hohem Aktualitätswert, dessen rohe schwarz-weiß-Bilder vom harten Alltag in deutschen Erziehungsheimen in den 60er-Jahren nachdenklich stimmen.




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