VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
I Am Ali - Muhammad Ali
I Am Ali - Muhammad Ali
© Universal Pictures

Kritik: I Am Ali (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Film beginnt intim. Die Kamera durchstreift ein privates Domizil, im Hintergrund läuft irgendwo ein Fernseher. Ein Mann beantwortet mit verstellter Stimme Fragen. Immer wieder Gelächter. Sanft schwebt die Kamera durch eine Diele ins angrenzende Wohnzimmer. Als sie auf den Fernseher schwenkt, gewahrt der Zuschauer den Mann hinter der verstellten Stimme: Muhammad Ali sitzt in der US-amerikanische Ausgabe von "Was bin ich?". Trotz größter Mühen Alis erkennt das Rateteam den größten Boxer aller Zeiten mühelos. Die Kamera wendet ihren Blick ab und fährt langsam auf ein Telefon zu. Auf der Tonspur setzt ein Tuten ein. Das Bild wird schwarz. Ein Telefongespräch zwischen Ali und seiner elfjährigen Tochter Maryum beginnt. Zu sehen sind lediglich Schallwellen. Danach beginnt das erste Kapitel. Alis ehemaliger Manager Gene Kilroy spricht in die Kamera.

Bereits die Exposition beinhaltet alle wesentlichen Gestaltungsmerkmale von "I Am Ali". Regisseurin Clare Lewins erzählt die Geschichte des Privatmenschen Muhammad Ali assoziativ. Recht frei hangelt sich der Dokumentarfilm an den Tonbandaufnahmen entlang, springt vor und zurück, hält sich nur lose an die Chronologie der Ereignisse. Neben den bisher unveröffentlichten Gesprächsmitschnitten bilden Menschen aus Alis persönlichem Umfeld das Grundgerüst des Films.

Ein wenig ist dieser Aufbau aber auch die Crux. Um nicht zu langweilen, ist Lewins gezwungen, Alis Gespräche nicht nur in Form von Schallwellen in Szene zu setzen. Unter bisher Unbekanntes auf der Tonspur mischen sich daher Archivaufnahmen, die sich bereits tief ins kulturelle Gedächtnis gebrannt haben. Mit Hilfe der Interviews versucht "I Am Ali" zwar, diese Redundanz der immer gleichen Bilder aufzubrechen. So dienen die Archivaufnahmen den Interviewpartnern beispielsweise nur als Erinnerungsstütze, um eine bisher unausgesprochene Anekdote über den Menschen Ali zu erzählen. An eine Episode aus dessen Karriere bleiben sie dennoch geknüpft. Und damit ist meist weniger über den Mann hinter der Legende als vielmehr über die Legende selbst gesagt.

Letztlich versucht auch "I Am Ali" in erster Linie, ein Stück von Muhammad Alis Aura und Charisma einzufangen, vor denen die ehemaligen Weggefährten in Retrospektive selbst heute noch ehrfürchtig erstarren. Was die öffentliche Person anbelangt, ist dies ein Stück weit gelungen. Hier liefert Clare Lewins Dokumentarfilm ein weiteres Puzzleteilchen im Gesamtbild dieses faszinierenden Charakters, den die meisten Zeitzeugen auch im Privaten schlicht als echt und unverstellt beschreiben. Was jedoch den Familienmenschen betrifft, kratzt "I Am Ali" nur an der Oberfläche. Denn dass Muhammad Ali mit neun Kindern, vier Ehefrauen und einer nicht genannten Anzahl an Affären trotz aller Liebe und Mühen nicht jedem Familienmitglied die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen konnte, wird im Film zwar mehrfach angedeutet, aber nie deutlich ausgesprochen. Genügend Stoff für weitere Dokumentarfilme also.

FAZIT: "I Am Ali" ist ein sehenswerter, handwerklich gelungener Dokumentarfilm, der seinen Zuschauern eine neue Seite der Boxlegende zeigt. Hiervon hätte es jedoch gern etwas mehr sein dürfen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.